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HANDELSBLATT, Freitag, 7. März 2008, 17:16 Uhr
Darüber spricht das Netz

YouTube macht Live-Fernsehen

Von Jens Schröder

Die Video-Plattform YouTube will ihren Nutzern noch in diesem Jahr ermöglichen, live im Internet zu senden. Unterdessen ist das Internet laut einer US-Umfrage inzwischen zur wichtigsten Quelle für Nachrichten geworden, und nach Radiohead sorgt auch die Band Nine Inch Nails mit neuen Vertriebsmodellen für Aufsehen. „Darüber spricht das Netz“ – jeden Freitag bei „Handelsblatt.com“.



Künftig mach Youtube Live-Sendungen möglich machen.  Foto: ap
Bild vergrößernKünftig mach Youtube Live-Sendungen möglich machen. Foto: ap

Eine kleine Aussage von YouTube-Gründer Steve Chen in dem Video-Podcast „Pop17“ hat die internationale Blogosphäre in Aufruhr versetzt: „We do it this year“antwortete er auf die Frage, wann YouTube denn eine Live-Video-Funktion anbieten würde. YouTube plant also noch in diesem Jahr einen solchen Service. Vor allem aktuelle Live-Video-Anbieter wie Ustream, Mogulus oder Yahoo dürfte die Ankündigung Angst bereiten, schließlich hat YouTube mit seiner riesigen Nutzerschaft eine unheimliche Marktmacht und mit Google im Hintergrund gigantische Serverkapazitäten. Die Video-Live-Übertragung ins Netz könnte damit endgültig im Mainstream ankommen.

In den vergangenen Jahren wurden eigene kleine Internet-Live-Sendungen immer populärer, bei den meisten Anbietern reicht eine ganz normale Webcam aus, um dem herkömmlichen Fernsehen Konkurrenz zu machen. Mit Diensten wie Mogulus lässt sich das ausgestrahlte Videobild mit professionellen Einblendungen versehen, aufgezeichnete Videoclips lassen sich einspielen und vieles mehr. Nur noch wenige Euro für eine Webcam und einen Internetanschluss sind nötig, um Live-Fernsehen zu produzieren. Nach dem Video-Monopol von Fernseh- und Filmprofis ist damit auch das Live-TV-Monopol gefallen. YouTube dürfte diese Entwicklung deutlich beschleunigen.

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Interessante Zahlen aus den USA: Laut einer jährlich durchgeführten Umfrage der Meinungsforscher von Zogby sagen 48 Prozent der Amerikaner, dass das Internet ihre primäre Quelle für Nachrichten ist. Das Fernsehen folgt mit nur noch 29 Prozent abgeschlagen auf Platz 2, Radio (11 Prozent) und Tageszeitungen (10 Prozent) haben noch weniger Chancen. Noch eindrucksvoller sind die Zahlen in den jungen Zielgruppen. So nannten 55 Prozent der 18- bis 29-Jährigen das Internet als ihre Haupt-Newsquelle. Befragt nach den ihrer Meinung nach „wichtigen“ Quellen, aus denen die Nachrichten bezogen werden, nannten 86 Prozent Websites traditioneller Medien, immerhin 38 Prozent nannten Blogs. 87 Prozent der Befragten sagten zudem, dass professioneller Journalismus lebenswichtig bleibt, 77 Prozent nannten allerdings auch Bürgerjournalismus „wichtig“, 59 Prozent zudem Blogs. Was können Medienunternehmen aus dieser Umfrage also lernen? Es ist nicht unbedingt der traditionelle Journalismus an sich, der an Popularität verliert, sondern eher der Weg, auf dem er verbreitet wird. Auch im Internet, dem demokratischsten aller Medien genießen Journalisten weiterhin das größte Vertrauen. Besonders für Radiosender und Zeitungsverlage wird die Luft allerdings immer enger.

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Nach der Band Radiohead gehen auch die Industrial-Rocker der Nine Inch Nails neue Wege im Vertrieb ihrer Musik. Das neue Album der Band, „Ghosts I-IV“, wird seit dieser Woche über die Website der Musiker verkauft. Interessant sind dabei die verschiedenen Ansätze. So gibt es neun der 36 neuen Songs komplett kostenlos zum probehören. Zu bekommen über alle möglichen Wege inklusive BitTorrent-Websites. Alle 36 Songs kosten als reiner Download inklusive einem 40-Seiten-PDF-Booklet auch nur ganze 5 Dollar. Mehr Geld verlangen die Nine Inch Nails für die physischen Tonträger. So kostet „Ghost I-IV“ als Doppel-CD 10 Dollar, für eine Deluxe-Edition sind 70 Dollar fällig und die „Ultra-Deluxe Limited Edition“ mit Audio-CDs, Daten-DVD, Blu-Ray-Disc, vier Vinyl-LPs und zwei Kunstdrucken, signiert und nummeriert vom Kopf der Band Trent Reznor, schlägt mit 300 Dollar zu Buche. Die ersten Ergebnisse des ungewöhnlichen Vertriebs: Alle 2.500 „Ultra“-Editionen sind am ersten Tag verkauft worden. Mit anderen Worten: Die Nine Inch Nails haben allein mit dieser Edel-Version ihres neuen Albums an einem Tag 750.000 Dollar umgesetzt. Interessant wird die Frage, wie viele der normalen Ausgaben des Albums verkauft werden können – oder ob sich die Kundschaft nach kurzer Zeit das Album doch wieder kostenlos über die illegalen Wege besorgt.

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