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HANDELSBLATT, Freitag, 14. März 2008, 16:07 Uhr
Darüber spricht das Netz

Musikindustrie verklagt Internet-Provider

Von Jens Schröder

Nach den Raubkopierern hat es die Unterhaltungsindustrie auf die Internet-Provider abgesehen. In Irland wird ein solcher Dienstleister nun verklagt. Auch die Übernahme des Social Networks bebo durch AOL sorgt für Schlagzeilen, ebenso wie die neuen Entwicklungen um die Video-Plattformen Hulu und Zattoo. „Darüber spricht das Netz“ – jeden Freitag bei „Handelsblatt.com“.


Jetzt sind die Provider dran: In ihrem Kampf gegen Raubkopierer hat die Unterhaltungsindustrie verstärkt die Internet-Provider im Visier. Schließlich würden die mit ihren Hochgeschwindigkeits-Flatrates erst dafür sorgen, dass so viele Menschen Tauschbörsen nutzen und jede Menge Musik und Filme illegal aus dem Netz laden. Erstmals hat die IFPI, Verband der Musikindustrie nun einen Provider verklagt: Eircom, einen der größten Internet-Dienstleister Irlands. Eircom solle die Piraterie in seinem Netz beenden, so das Anliegen der IFPI. Weltweit diskutieren Experten seit einiger Zeit, inwiefern Provider tatsächlich für das Verhalten ihrer Nutzer in Haftung genommen werden können. Dagegen spricht das wichtige Argument der Netzneutralität, die das Internet erst zu dem gemacht hat, was es ist: dem demokratischsten Medium überhaupt. Provider sind schließlich nur Zugangsanbieter. Zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich zu sehr einmischen, was ihre Kundschaft treibt, wird es bedenklich. Schließlich kommt auch niemand auf Idee, die Post zu verklagen, weil Erpresserbriefe mit ihr verschickt werden. Das Blockieren des Peer-2-Peer-Verkehrs würde zudem auch legale Dienste treffen. Selbst die Unterhaltungsindustrie will verstärkt solche Verfahren nutzen, um Videos und andere Inhalte zu transportieren.

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Das meistdiskutierte Thema der Woche war natürlich auch in den internationalen Blogs die Übernahme der Social Community bebo durch AOL (Handelsblatt.com berichtete). Die Meinungen der Blogger gehen dabei weit auseinander. Verschiedene Argumente werden angeführt, um den Deal als gut oder miserabel einzuordnen. Während viele Blogger den Deal als sinnvoll betrachten und von einem großen Comeback für AOL sprechen, weil das AOL-Publikum zu alt sei und man mit bebo seiner Werbekundschaft viele neue junge Nutzer präsentieren könne, wird die Situation anderswo differenziert betrachtet. So verabschiedet sich Internet-Promi Jeff Jarvis schon mit den Worten „Poor Bebo“ von der Plattform. AOL hätte in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass ehemals großartige Innovationen dort den Tod der Langeweile sterben würden. Jarvis erinnert u.a. an Netscape. Seine Vermutung: Die bebo-Gründer würden sich bald frustriert aus ihrem Unternehmen verabschieden und bebo würde langfristig im unattraktiven AOL-Portal untergehen. Handelsblatt-Blogger Axel Postinett schreibt davon, dass der Deal vor allem für Yahoo eine schlechte Nachricht sei. Yahoo vermarkte schließlich bebo – und würde diesen Kunden mittelfristig sicher verlieren. Postinett vermutet nun, dass Microsoft sein Angebot zur Yahoo-Übernahme senken könnte.

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Nach einer langen Testphase ist das Internet-TV-Angebot Hulu nun offiziell an den Start gegangen. Über Hulu, ein Joint Venture von NBC Universal und Rupert Murdochs News Corp., können zahlreiche Fernsehserien und Filme von Anbietern wie NBC, Fox, MGM, Sony Pictures und Warner Bros. Kostenlos und werbefinanziert im Netz geschaut werden. Deutsche Nutzer haben allerdings nichts davon: Weil die Ausstrahlungsrechte an den Filmen und Serien hierzulande bei deutschen Sendern und Filmhändlern liegen, bleibt das Hulu-Fenster für Deutsche schwarz. Dennoch gibt es auch für deutsche Internet-TV-Freunde gute Nachrichten. So hat das Unternehmen Zattoo laut epd einen Vertrag mit ARD und ZDF abgeschlossen. Demnach soll noch im März die Ausstrahlung der rund 25 öffentlich-rechtlichen Fernsehsender über die kleine TV-Software starten. Sie gesellen sich dann zu den bereits über Zattoo gezeigten Kanälen wie CNN, Viva, MTV, Das Vierte, Tele 5 und DSF. Das Fernsehgerät wird also wieder ein Stück überflüssiger.

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