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17.03.2008 
Stromlücke wird konkret

In Deutschland fehlen bald 15 Großkraftwerke

von Klaus Stratmann

Deutschland geht der Strom aus: Laut einer aktuellen Untersuchung könnte schon ab 2012 die heimische Kraftwerksleistung nicht mehr ausreichen, um die Verbrauchsspitzen zu decken. Folge dieser Entwicklung wäre ein deutlicher Anstieg der Energiepreise.

Deutschland hat bald nicht mehr genügend Kraftwerke, um den eigenen Strombedarf zu decken. Foto: dpaLupe

Deutschland hat bald nicht mehr genügend Kraftwerke, um den eigenen Strombedarf zu decken. Foto: dpa

BERLIN. Die Stromlücke wird konkret: In Deutschland fehlen im Jahr 2020 voraussichtlich 15 konventionelle Großkraftwerke. Bereits ab 2012 steht nicht mehr genügend gesicherte Krafwerksleistung zur Verfügung, um die Verbrauchsspitzen zu decken. Die Verengung des Stromangebots wird die Preise deutlich steigen lassen. Das ist das Ergebnis einer Analyse der bundeseigenen Deutschen Energieagentur (Dena), die dem Handelsblatt vorliegt.

Die Dena hat für ihre Analyse mit allen relevanten Energiekonzernen gesprochen und deren Neubauprojekte in ihre Kalkulation aufgenommen. Eine der zentralen Erkenntnisse: Viele Vorhaben, deren Umsetzung noch vor Monaten als sehr wahrscheinlich galt, sind längst von den Projektlisten gestrichen. Gestiegene Anlagenpreise, wachsende Widerstände in der Bevölkerung und Unwägbarkeiten beim Emissionshandel zwingen viele Investoren zum Rückzug.

Unbestritten ist, dass der deutsche Kraftwerkspark dringend renoviert und ausgebaut werden muss. Zwar hat es in den vergangenen Jahren erhebliche Investitionen gegeben; sie bleiben jedoch hinter den Erfordernissen zurück. Seit Wochen steht das Thema Stromlücke daher im Mittelpunkt der energiepolitischen Debatte. Bislang gab es allerdings sehr unterschiedliche Aussagen zum Ausmaß der zu befürchtenden Lücke. Die Dena-Analyse quantifiziert jetzt den Engpass.

Die Agentur hat drei Kategorien von Projekten definiert: Solche Kraftwerke, die nach 2005 in Betrieb gegangen oder derzeit im Bau sind („Kategorie A“); Kraftwerke, für die Baugenehmigungen erteilt oder zumindest absehbar sind und für die zugleich die Komponenten bereits bestellt sind („Kategorie B“); Kraftwerke, die noch nicht über das Projektstadium hinausgehen oder deren weitere Planung zurückgestellt wurde („Kategorie C“).

Besonders lang ist die Liste mit den äußerst wackligen Projekten der Kategorie C: Sie umfasst 59 Kraftwerksprojekte. Die Liste der Kategorie A dagegen umfasst dagegen nur 19 Kraftwerke mit einer installierten Leistung von gut 11000 Megawatt. Bei der Berechnung der Lücke unterstellt die Dena das sukzessive Auslaufen alter Kraftwerke, die das Ende ihrer Betriebszeit erreichen, sowie den Zubau neuer Kraftwerke der Kategorien A und B. Außerdem geht die Dena davon aus, dass die Ziele der Bundesregierung zur Steigerung der Energieeffizienz Realität werden. Die Energieagentur kalkuliert mit einer Verdopplung der Energieproduktivität bis 2020. Die Energieproduktivität sagt aus, wieviel Energie notwendig ist, um eine bestimmte Wirtschaftsleistung zu erzielen.

Zugleich geht die Dena davon aus, dass der Anteil der regenerativen Energien an der Stromproduktion von derzeit rund 14 Prozent bis 2020 auf 30 Prozent und der Anteil der hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung auf 25 Prozent steigt. Diese drei Ziele gelten allerdings als sehr ambitioniert. Außerdem macht die Dena den Fortbestand des Atomausstiegs zur Grundlage ihrer Annahmen. Sollte die Stromnachfrage auch nur konstant bleiben, würde sich die Lücke von 11 600 Megawatt - das entspricht etwa 15 Großkraftwerken - bis 2020 auf knapp 16000 Megawatt vergrößern. Die gesamte gesicherte Leistung des Kraftwerksparks in Deutschland liegt derzeit bei gut 80 000 Megawatt.

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