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10.10.2007 
Klimawandel

Füße im Eis

von Wolfgang Kempkens, Wirtschaftswoche

Im Dezember beginnt die Montage der neuen deutschen Antarktis-Station „Neumayer III“. Sie gilt als weltweit einzigartig, da sie komplett auf hydraulischen Stelzen stehen wird. Den Bewohnern soll sie allen erdenklichen Komfort bieten – bis hin zu einem Fitnessraum, einer Bibliothek und einer Bar. Sehen Sie selbst und besuchen Sie die Station schon jetzt mit Hilfe unserer interaktiven Grafik.

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Dem dänischen Frachter Naja Arctica macht Packeis nichts aus. Er wurde gebaut, um Grönland selbst dann noch zu versorgen, wenn die größte Insel der Welt komplett von Eis eingeschlossen ist. In einigen Wochen wird sich die Naja Arctica auf einen viel längeren Weg als üblich machen. Mit mehr als 3 000 Tonnen Fracht fährt sie von Bremerhaven in die Antarktis. Spätestens Ende Dezember, zum Beginn des antarktischen Sommers, muss sie sich durch die Schollen gekämpft und den Rand des 200 Meter dicken Ekström-Schelfeises erreicht haben, auf dem Deutschland seit 1982 Forschungsstationen betreibt. Dann hieven die Bordkräne die Ladung auf große, von Raupenschleppern gezogene Schlitten.

Ziel ist ein wenige Kilometer landeinwärts gelegener unwirtlicher Platz im sogenannten Königin-Maud-Land. An dem nach einer norwegischen Königin benannten Küstenstreifen entsteht zum Start des Internationalen Polarjahrs 2007/08 das neue deutsche Antarktis-Forschungszentrum, das wie schon die Vorgängerbauten nach dem Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826–1909) benannt wird.

Bald 90 Jahre ist es her, dass russische, amerikanische und britische Seefahrer erstmals die Antarktis sichteten. Die unberührte Eiswüste, etwa 40-mal so groß wie Deutschland, erregte mit ihren Tiefsttemperaturen um die minus 80 Grad weltweit die Fantasie von Forschern. Zahlreiche Expeditionen brachen in den Jahren danach auf, um den geografischen Südpol zu finden. 1901 startete die erste deutsche Antarktisexpedition mit dem Forschungsschiff Gauss. Schnell wurde den Forschern klar, dass unter dem Eis der Antarktis gigantische Mengen an Bodenschätzen ruhen: Kohle, Erdöl, Gas, Uran und andere wertvolle Mineralien. Eine Reihe von Staaten, die teilweise Territorialansprüche in der Antarktis haben, wie Argentinien, Chile und Großbritannien, errichteten Forschungsstationen. Deren Arbeiten zeigten, dass der gewaltige Eisblock einen wesentlichen Einfluss auf das Wetter der Erde hat. Laut Antarktis-Vertrag, den mittlerweile mehr als 50 Nationen unterzeichnet haben, dürfen die Bodenschätze zumindest bis zum Jahr 2041 nicht gefördert werden.

In der jüngeren Vergangenheit wurde auch klar, dass die Erforschung der Antarktis nicht nur Aufschluss über Rohstoffvorkommen, erdgeschichtliche Vorgänge sowie Lebens- und Überlebensformen in extremer Kälte geben kann – sondern auch Auskunft darüber, wie sich die weltweiten Klimaveränderungen auswirken werden.

Eine wichtige Rolle in der Erforschung der Eiswüste spielen die Deutschen, die seit 1982 ganzjährig in der Antarktis präsent sind. Als Ersatz für die Station Neumayer II entsteht jetzt die 26 Millionen Euro teure Neumayer III, die – weltweit einmalig – komplett auf hydraulischen Stelzen stehen wird. Sie wird wie ein 3-D-Puzzleaus rund 100 Normcontainern zusammengesetzt, teilweise ausgestattet mit Toiletten, Waschbecken, Duschen, Elektroherden. Im März 2008 soll der Rohbau der Station fertig sein, einschließlich Kraftwerk, dessen Strom im dann einbrechenden antarktischen Winter gebraucht wird, um die hydraulischen Beine des Gebäudes zubewegen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie Schneemassen der Vorgänger-Station zusetzen.

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