Im Dezember 2008 beginnt dann der Innenausbau der zweistöckigen schweren Forschungsplattform, die bis zu 50 Menschen allen erdenklichen Komfort bietet – bis hin zu einem Fitnessraum, einer Bibliothek und einer Bar. Finanziert wird das Vorhaben komplett aus deutschen Steuermitteln. „Wenn alles gut geht, weihen wir die Neumayer III im März 2009 ein“, sagt Hartwig Gernandt. Der Physiker im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, das die Station betreibt, ist für die Baulogistik verantwortlich.
Der Neubau der Station wurde nötig, weil die Vorgängerin immer tiefer im Schnee versinkt und bald aufgegeben werden muss. Schneemassen – pro Jahr kommt derzeit ein Meter dazu – drücken auf die aus Wellblechröhren bestehende Station, sodass sie sich immer mehr verformt. Das Nachfolgemodell bleibt dank seiner hydraulisch bewegbaren Füße stets oberhalb des Eises. Statt wie bisher zehn Jahre oder noch weniger wird die neue Basis wenigstens 25 Jahre lang betrieben werden können. Die Briten, die bereits im kommenden Jahr im 1 000 Kilometer entfernten Coatsland ihre neue, rund 56 Millionen Euro teure Station Halley VI beziehen, hoffen auf eine noch längere Betriebsdauer.
Halley steht, wie Neumayer III, auf hydraulischen Beinen, an denen überdimensionale Skier mit einer Traglast von jeweils mehr als 30 Tonnen befestigt sind. Darauf gleitend soll sie bei Bedarf verlegt werden – das Schelfeis, auf dem die Briten und die Deutschen gebaut haben, ist im Grund eine gigantische Eisscholle und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 Meter pro Jahr Richtung Meer. Entwickelt und gebaut werden die überdimensionalen Gleiter der Briten von Forschern der Technischen Universität Chemnitz und Ingenieuren von Lehmann Maschinenbau aus Jocketa im sächsischen Vogtland.
Die neue Station der Deutschen hat zwei wichtige Aufgaben: die Verbesserung der Wetterprognosen und die Klimaforschung. Bis zu sechs Forscher, drei Ingenieure und Techniker sowie je ein Koch und ein Arzt halten hier im Winter die Stellung. Im Sommer kommen bis zu 40 Wissenschaftler dazu. Einige davon werden die Station als Basis für Expeditionen nutzen.
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