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15.10.2007 
Erneuerbare Energien kombiniert

Neues Kraftwerk nutzt Windenergie effizienter

von Pia Grundig-Ludwig

Mehr Flexibilität bei der Stromerzeugung: Das sogenannte Hybridkraftwerk, eine Kombination aus Biogas- und Windkraftanlage, produziert neben Strom, Wasserstoff für den Kraftstoff- und Wärmemarkt sowie für eine zeitversetzte Rückverstromung. So können Energieerzeuger jederzeit die benötigte Menge an Strom liefern – egal, ob der Wind gerade weht oder nicht.

Auch blei Flaute kann das Kombikraftwerk die Versorgung sicherstellen. Foto: dpaLupe

Auch blei Flaute kann das Kombikraftwerk die Versorgung sicherstellen. Foto: dpa

TÜBINGEN. Die Bedeutung der Windkraft wächst stetig. Allerdings haben die Betreiber von Windkraftanlagen damit zu kämpfen, dass die Stromproduktion ihrer Kraftwerke nicht konstant ist: Wenn es kräftig stürmt, könnte in Windparks viel mehr Energie erzeugt werden, doch das Netz kann den Strom zeitweise nicht aufnehmen. Bei dem Hybridkraftwerk wird der überschüssige Strom genutzt, um Wasserstoff zu erzeugen. Dieser kann dann später entweder als Kraftstoff für Brennstoffzellen oder Wasserstoffautos sowie bei einer Flaute als Ausgleich der geringeren Stromproduktion genutzt werden.

2008 soll das erste Kombikraftwerk ans Netz gehen. Die Wasserstoffproduktion im industriellen Maßstab, die direkt mit den erneuerbaren Energien gekoppelt wird, soll in der Nähe von Prenzlau in der nordbrandenburgischen Uckermark in Betrieb gehen. Nach der Vernetzung von über 120 Megawatt Windkraft- und Biogasleistung entsteht mit der neuen Wasserstoffanlage mit 500 Kilowatt Leistung das weltweit erste Hybrid-Kraftwerk.

Bei der von Enertrag konzipierten Anlage findet der Ausgleich zwischen Stromerzeugung und Verbrauch vor der Einspeisung ins Stromnetz statt: Wenn niemand den Strom braucht, wird er zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt. Dazu entwickeln die Dauerthaler eine komplexe Steuerungstechnik. Die entscheidet, ob Strom oder Wasserstoff produziert wird.

Enertrag gehört zu den weltweit größten Windstromerzeugern mit über 380 Windkraftanlagen und einer Milliarde Kilowattstunden Strom jährlich. Das Unternehmen arbeitet bei dem Projekt zusammen mit Experten der Fachhochschule Stralsund, der TU Braunschweig und der internationalen Wasserstoffwirtschaft.

Enertrag-Geschäftsführer Werner Diwald ist überzeugt davon, dass der Wasserstoffbedarf durch den Einsatz im Verkehr in einigen Jahren enorm steigen wird. Wasserstoff könnte in Brennstoffzellenfahrzeuge zum Einsatz kommen, die ihn zur Elektrolyse benötigen oder in PKWs mit Kolbenmotor, die künftig auch mit Wasserstoff betrieben werden können. „Mittelfristig wird kein Weg an Wasserstoff als Energieträger vorbei führen, wenn man in signifikanten Größenordnungen erneuerbare Energien in den Transportbereich einführen will. Bei begrenzten Biokraftstoffpotenzialen geht das nur indirekt über Wasserstoff“, unterstützt ihn Manfred Fischedick, Leiter des Bereichs zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Perfekt ist die Technik noch längst nicht.

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