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15.06.2007 
Geothermie

Die Energie, die aus der Tiefe kommt

von Sebastian Ertinger

Erdwärme gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Zukunft der Energiebranche. Die Geothermie ist sauber, ergiebig und unabhängig vom Wetter. Doch bislang sind die Bauvorhaben eher private Anlagen als gut organisierte Großprojekte.

DÜSSELDORF. Jeder, der einmal mit einem Grubenaufzug in die Tiefen eines Bergwerks gefahren ist, hat das Phänomen am eigenen Leib erlebt: Je weiter man ins Innere der Erde vorstößt, desto wärmer wird es. Normalerweise erhöht sich die Temperatur pro hundert Meter Tiefe um drei Grad.

Die Geothermie, wie die natürliche Wärme der Erde genannt wird, lässt sich als Alternative zu fossilen Energieträgern nutzen – je nach geographischer Lage mit mehr oder weniger Aufwand. In vulkanischen Regionen oder Gebieten mit heißen Thermalquellen bohren Bautrupps einfach ein Loch und zapfen heiße Grundwasseradern an. Der Wasserdampf steigt nach oben und kann ins Fernwärmenetz eingespeist werden oder über Turbinen Generatoren antreiben.

Mittlerweile ist das Verfahren so weit entwickelt, dass die Erdwärme auch kleinere Privathaushalte heizen kann. Dazu bohren Techniker bis zu 100 Meter tiefe Löcher ins Erdreich und stecken Rohre hinein. Die darin zirkulierende Flüssigkeit, Sole genannt, nimmt die Erdwärme auf. Eine Wärmepumpe wandelt die um die zehn Grad warme Sole in bis zu 45 Grad heißes Wasser. „Dabei wird das Vierfache der eingesetzten Elektrizität für die Pumpe in Wärmeenergie wieder gewonnen“, sagt Werner Bußmann vom Bundesverband Geothermie. Umgekehrt kann das System im Sommer auch das vergleichsweise kalte Nass aus der Tiefe nutzen, um das Haus abzukühlen.

In Schweden wird heute bereits bei fast 90 Prozent der Neubauten ein Erdloch in die Tiefe getrieben, das die Wärme aus dem Untergrund in die Wohnungen bringt. In Deutschland reichten Bauherren 2005 bei den Ämtern rund 12 000 Anträge für die Bohrung von Geothermie-Anlagen ein, ein Jahr später waren es bereits 28 500. „Im Moment geht das so weiter“, sagt Bußmann. Ein Heizkraftwerk im heimischen Vorgarten kostet rund 20 000 Euro.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Aber dafür haben Geothermie-Anlagen eine sehr viel längere Laufzeit als Erdöl- oder Gasfelder.“

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