Dabei ist unklar, wie viel Biosprit heutige Diesel- und Otto-Motoren überhaupt vertragen. Der Verband der Autohersteller (VDA) glaubt, dass nur 375 000 Pkw-Besitzer auf das teure SuperPlus umsteigen müssen, wenn der Beimischungsanteil im Super Anfang nächsten Jahres wie vorgesehen auf zehn Prozent steigt. Das SuperPlus wird bis 2016 weiterhin nur fünf Prozent Ethanol enthalten. Ganz anders rechnet der ADAC. Er taxiert die Zahl der Autos auf mehr als eine Million, die das aggressive, Dichtungen und Schläuchen zusetzende Ethanol nicht vertragen. Die Autohersteller haben versprochen, bis Ende März Klarheit zu schaffen und genaue Zahlen vorzulegen.
Die Öko-Kraftstoffe der zweiten Generation entschärfen das Problem nur beim Diesel. SynFuel lässt sich in beliebigen Dosen beimischen oder auch ohne vorherige Umbauten des Motors pur tanken, haben Tests von Volkswagen und Daimler ergeben. Beim Ethanol ändert sich nichts an der eingeschränkten Verträglichkeit.
Umso drastischer sinkt der Landschaftsverbrauch, der heute vor allem von Energiepflanzen bestimmt wird. Der Flächenverbrauch für Industriepflanzen stagniert dagegen. Eine zehnprozentige Beimischung bedeutet für Deutschland einen Jahresbedarf von mehr als vier Millionen Tonnen Biosprit. Die dafür notwendigen rund fünf Millionen Tonnen Rapssaat und sechs Millionen Tonnen Getreide müssen auf einer Fläche von 30 000 Quadratkilometern angebaut werden, das entspricht in etwa der Größe Brandenburgs.
Treibstoffe der zweiten Generation wachsen für die gleiche Produktionsmenge auf weniger als einem Viertel dieser Fläche. Bioabfälle sind in dieser Rechnung nicht einmal berücksichtigt. So fallen in Deutschland jedes Jahr allein 40 Millionen Tonnen Stroh an. Die Menge reicht aus, um vier Millionen Tonnen SynFuel herzustellen, rund 14 Prozent des jährlichen Inlandsbedarfs.
Ludwig Leible, Projektleiter für Biokraftstoffe am Karlsruher KIT, sieht weitere Vorteile: „Mit Biosprit der zweiten Generation können wir unabhängiger vom Erdöl werden und die CO2-Emissionen im Straßenverkehr gemäß den Zielvorgaben der EU senken, ohne unsere Äcker zu Tankstellen zu machen.“ Er rechnet mit Produktionskosten pro Liter von etwa einem Euro gegenüber 60 Cent bei herkömmlichem Diesel. Allerdings nur, wenn Stroh und Holzabfälle mitverwertet werden.
Für den Betrieb der Choren-Anlage reichen Holzabfälle aus, die im Umkreis von rund 50 Kilometer anfallen. Künftige Großanlagen mit einer Kapazität von 200 000 Jahrestonnen müssen dagegen aus Plantagen versorgt werden. „Wir setzen auf schnell wachsende Hölzer wie Pappeln und Ahorn“, sagt Matthias Rudloff, Entwickler bei Choren. Diese robusten und anspruchslosen Bäume gedeihen auch ohne Dünger und Pestizide. Um eine einzige Anlage dieser Größenordnung zu versorgen, müssen 500 Quadratkilometer aufgeforstet werden. Die Fläche entspricht mehr als der Hälfte des Landkreises Freiberg oder einem Fünftel des Saarlands. Die anvisierten zehn großen Sigma-Anlagen, wie Choren die SynFuel-Fabriken der Zukunft nennt, benötigen demnach eine Plantagenfläche von insgesamt 5 000 Quadratkilometer.
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