120 000 geothermische Wärmepumpensysteme sind schon in Betrieb. Doch die Energie aus der Erde kann nicht nur zum Heizen genutzt werden. Weil immer mehr gedämmt wird, und der Klimawechsel spürbar wird, ist der Wärmebedarf zurückgegangen, während der Kältebedarf steigt. "Kühlen ist kein Luxus sondern eine weitere Möglichkeit, Geothermie zu nutzen", sagt Fritz Nüssle, Geschäftsführer der Gebäudetechnikfirma Zent Frenger, die Anlagen für gewerbliche Bauten entwickelt. Firmen wie WQ-Management, Geowell haben sich auf die Kühlung von Einfamilienhäusern spezialisiert.
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Zwar kann die Erdwärme nicht überall genutzt werden. In Berlin etwa ist es wegen der Grundwasserknappheit nicht möglich, in jeder Straße zu graben. Außerdem ist in der Innenstadt die Bebauung zu eng. Von solchen Sonderfällen abgesehen, wächst die Anwendungsbreite aber. So gibt es einen deutlichen Anstieg im gewerblichen Bau. Weg von der Einzelhausversorgung rücken zudem ganze Siedlungsräume mit kleineren Produktionsstätten plus Wohngebiet für die Versorgung in den Fokus.
Eine Unbekannte bleibt jedoch: Was, wenn der Boden auskühlt, weil zu viel Wärme aus der Erde gezogen wird? Eine Sonde kühlt ein gewisses Gebiet ab, einem Bohrloch wird daher eine begrenzte Lebensdauer zugeordnet. In diesem Fall liegt das Wissen der Theologen und Geologen eng beieinander, meint Oliver Kohlsch, Geschäftsführer von Vertical Heat: "Keiner war wirklich da oben oder da unten, um zu sagen, was dort los ist." Oft wird bei der Projektierung mit willkürlichen Werten gerechnet. Die geologische Beschaffenheit sollte bekannt sein, Probebohrungen und Simulationsrechnungen sollten angestellt werden, sonst sei ein Angebot unseriös, meint der Technikexperte.
Trotzdem breitet sich Zuversicht in der Branche aus: Ein gigantischer Markt auch im Ausland lockt: Frankreich und die Türkei sind geothermische Wachstumsregionen, in denen deutsche Firmen bereits ihre Spaten platziert haben.
