Das Problem dabei: Silizium ist sehr spröde. Derzeit ist es nicht möglich, derart dünne Scheiben zu verarbeiten, wie sie im Labor existieren – die Bruchgefahr wäre zu hoch. Bei Q-Cells liege die Bruchquote „im unteren einstelligen Bereich“, sagt Sprecher Dietrich. „Unser Ziel ist, möglichst nahe an Null zu kommen.“
Sparpotenzial gibt es auch bei der Herstellung. Bei den derzeitigen Verfahren trennen die Produzenten die Wafer mit Hilfe eines Drahtes aus großen Blöcken ab. Dabei entstehen Fugen und ein Brei aus Schleifmittel und Sägespänen – mit entsprechendem Rohstoffverlust. Schon vor der eigentlichen Produktion wandert so insgesamt gut ein Drittel des teuren Siliziums in den Abfall.
Während die Forschungsabteilungen daran arbeiten, den Ausschuss und die Waferstärke zu verringern, erhöhen die Hersteller auch die Siliziumproduktion. Weil die Anforderungen der Solarindustrie an die Reinheit des Materials niedriger sind als die der Chipindustrie, bauen die Unternehmen zunehmend neue Fabriken auf, die nur für die Solarbranche produzieren. Anfangs hatte die Branche ausschließlich Elektroniksilizium verarbeitet – und ist damit in Konkurrenz zur Halbleiterindustrie getreten. Doch davon gibt es mittlerweile zu wenig, und der Rohstoff ist zudem zu teuer geworden.
Mit den neuen Anlagen steigt die verfügbare Menge an Solarsilizium. Beispielsweise errichtet derzeit PV Crystalox Solar in Bitterfeld eine Produktionsstätte, die jährlich 1 800 Tonnen liefern soll. So könnte der Rohstoffmangel bald behoben sein.Das dürfte den Herstellern des Siliziums nicht gefallen. Ihre Investition lohne sich dennoch, sagt Unternehmer Aulich: „Silizium wird das Arbeitspferd unserer Industrie bleiben.“
