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HANDELSBLATT, Montag, 5. Mai 2008, 16:53 Uhr
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Die nüchterne wirtschaftliche Begründung unterstreicht eine Wende im Umgang mit erneuerbarer Energie. Die europäischen Ölriesen BP und Shell haben in den vergangenen Jahren als Vorreiter der Branche breite Portefeuilles in alternativen Energien aufgebaut. Beide räumten dem in ihrer Kommunikation viel Raum ein und suchten den Dialog mit Umweltschutzgruppen. Kritiker warfen ihnen allerdings vor, das Engagement sei nur ein Feigenblatt. Schließlich machen die zusammen 2,5 Mrd. Dollar, die die Konzerne bisher in alternative Energien investiert haben, nur wenige Prozent ihres Investitionsetats für Öl und Gas aus.

Das reichte aber, um beide Konzerne zu relevanten Spielern in der Wind- und Solarenergie zu machen. Nun wollen sie aus der imagefördernden Investition ein ordentliches Geschäft machen. Shell hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 erneuerbare Energien zur kommerziell attraktiven Konzernsparte zu entwickeln. Da stören finanziell riskante Projekte wie "London Array".

Der neue BP-Chef Tony Hayward löste jüngst gar Spekulationen über einen bevorstehenden Verkauf der Sparte Erneuerbare Energien aus, als er Anlegern Bewertungen für deren einzelne Bestandteile vorlegte. 2,1 bis 3,9 Mrd. Dollar für die Solarenergie, 1,8 bis 2,1 Mrd. Dollar für die Windfarmen. Doch der Konzern dementierte Verkaufsabsichten. Er kündigte vielmehr an, das Investitionstempo kräftig zu steigern.

Die Botschaft an die Politik ist klar: Alternative Energien müssten langfristig so lukrativ sein wie das angestammte Öl- und Gas-Geschäft, heißt es in Firmenkreisen. Sonst ziehen die Ölmultis den Stecker.


Sonne, Wind und Biosprit

Vor allem die beiden europäischen Ölmultis BP und Shell haben in den vergangenen Jahren in alternative Energien diversifiziert. Hier ein Überblick über die Aktivitäten der Konzerne:

BP

Der britische Konzern teilt sein Portfolio an alternativen Energien in drei Teile auf: Wachsende Geschäfte wie Solar- und Windenergie, sich entwickelnde Technologien wie Biotreibstoffe und neue Technologien wie die unterirdische CO2-Speicherung. Seit Ende 2005 hat BP 1,5 Mrd. Dollar in diese Bereiche investiert, 2008 soll die gleiche Summe hinzukommen. BP will einer der drei führenden Solarenergiefirmen werden. Bei Windenergie will sich der Konzern von derzeit 370 auf 15 000 Megawatt installierter Kapazität steigern, vor allem in den USA.

Shell

Auch der Bereich alternative Energie des niederländisch-britischen Konzerns konzentriert sich vor allem auf Wind- und Solarenergie und Biokraftstoffe. Von 2001 bis 2006 hat Shell rund eine Mrd. Dollar in diese Technologien investiert. Neuere Zahlen nennt das Unternehmen allerdings ebenso wenig wie konkrete Ziele für die Zukunft. Seine Windfarmen kommen auf 415 Megawatt Leistung; auch Shell hat vor allem in den USA Ausbaupläne. Ebenso wie BP arbeitet Shell an der nächsten Generation von Solaranlagen und forscht an der Weiterentwicklung der Brennstoffzelle.


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