Unternehmer Reinhold Würth überlässt nichts dem Zufall, seit er sich in den 90er Jahren für die neue Solartechnik begeisterte. Schon seit über 30 Jahren wird im Ländle an der neuen Beschichtungstechnologie geforscht, ehe Würth 1999 ernst machte und in Marbach eine Pilotfertigung aufzog. Mit seinem Marbacher Team wies Geschäftsführer Groß nach, dass sich eine Großserienproduktion lohnen würde. Im Mai 2005 gab der Beirat grünes Licht für die bislang größte Einzelinvestition des Würth-Konzerns, der zuletzt knapp sieben Mrd. Euro Umsatz erzielte. „Wir wussten, dass wir nicht nur 55 Millionen Euro ausgeben, sondern danach auch 55 Millionen Probleme haben würden“, sagt Groß. „Aber wir sind heute voll im Plan.“
Seit einigen Tagen ist die Verwaltung eingezogen. Würth Solar wird bei Vollauslastung der Cis-Fab in 2007 jährlich rund 200 000 Solarmodule produzieren. Die schwarzen Zellen sind eine Alternative zu den Solarmodulen aus Silizium, die zur Stromgewinnung auf Dächern eingesetzt werden. Sie sind hinsichtlich der zentralen Kennzahlen wie dem Wirkungsgrad mit Siliziumzellen vergleichbar, allerdings beim Rohstoffeinsatz günstiger. So ist es dem Hersteller bereits vor Beginn der Großserienproduktion gelungen, den Wirkungsgrad auf über elf Prozent zu stabilisieren. Beim Energieertrag sieht Würth bei schwachen Lichtverhältnissen sogar Vorteile gegenüber den klassischen Solarmodulen auf Silizium-Basis.
Noch macht die Cis-Technologie einen verschwindend kleinen Teil der Photovoltaik aus. Bis 2015 sollen es 15 bis 20 Prozent des Marktes werden. Auch andere Solarunternehmen arbeiten an der Technik, aber bislang hat keiner mit dem Bau einer Großserienfertigung begonnen.Auf knappe zwei Jahre schätzt Groß den Vorsprung vor der Konkurrenz. Ist das Werk in Schwäbisch Hall erfolgreich, sollen weitere gebaut werden.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Die Cis-Technologie hat eine Marktchance, wird aber in der Nische bleiben."