Ein Grund für die Probleme bei der Beurteilung ist, dass man noch zu wenig über das Verhalten der Nanopartikel weiß. „Die geringe Größe und spezifische Form führen zu Auswirkungen, die sich nicht mit den klassischen Ansätzen etwa der Thermodynamik erklären lassen“, sagt Andreas Reller, Vorstand des Wissenschaftszentrums Umwelt an der Universität Augsburg.
Ein Bereich, der nach Rellers Ansicht bislang zu wenig betrachtet wurde, ist der Produktzyklus – von der Gewinnung der für Nanoteilchen notwendigen Rohstoffe bis zu deren Entsorgung. Sein Beispiel: Die Gewinnung von Platin für den Einsatz in Katalysatoren in der russischen Mine Norilsk. „Dort wächst im Umkreis von 50 Kilometern kein Baum mehr“, sagt der Umweltforscher. Inzwischen hätten die Verantwortlichen zwar das Problem erkannt, „aber es dauert, bis man das in den Griff bekommt“, sagt Reller.
Die Umweltzerstörung weist zugleich auf ein anderes Problem hin: Die Platinpartikel entweichen nach und nach auch aus dem Autokatalysator und vermischen sich mit dem Feinstaub in der Luft. „Wir hätten schon früher mit der Erforschung der Nanotech-Risiken beginnen sollen“, sagt die Fraunhofer-Forscherin Hund-Rinke. „Aber da gab es dafür noch keine Gelder.“
