Die eigentliche Kältemaschine funktioniert anders als ein elektrisch betriebener Kühlschrank. Der verflüssigt erst ein Kältemittel mit einem Kompressor, um es dann zu verdampfen. Dabei wird der Umgebung, dem Kühlschrank, Wärme entzogen. Die Freiburger aber kombinieren den Fresnel-Kollektor mit einer Absorptionskältemaschine. Hier wird das Kältemittel Ammoniak nicht durch einen Kompressor verdichtet, sondern chemisch an Wasser gebunden. Die Sonnenwärme trennt das Ammoniak vom Wasser wieder, so dass es verdampfen und der Umgebung Wärme entziehen kann. Es gilt also: Je heißer der Kollektor, desto kälter der Eisschrank.
Bei hohen Außentemperaturen lässt sich Klimaanlagenkühle nur mit einer sehr hohen Kollektor-Temperatur erzeugen. Im mitteleuropäischen Klima reichen hingegen schon gewöhnliche Sonnenkollektoren mit etwa 90 Grad Betriebstemperatur aus. Tomas Núñez, Solar-Experte und Medisco-Partner am ISE, geht deshalb davon aus, dass sich in den Maghreb-Staaten zusätzlich zu den gewöhnlichen solaren Kälteanlagen Systeme mit Hochtemperatur-Kollektoren für die Klimatisierung von Gebäuden, Hotels und Büros durchsetzen werden.
Noch existiert kein wirklicher Markt für solare Kühle in Nordafrika – nicht zuletzt, weil Gas und Öl lange massiv subventioniert wurden. Solarenergie ist so gegenwärtig doppelt so teuer wie fossile. Weil aber die Maghreb-Regierungen seit zwei Jahren Projekte für regenerative Energien fördern, geht Häberle von einem „riesigen Potenzial für solare Kälte“ aus – insbesondere für Hochtemperatur-Kollektoren.
Die Fresnel-Schüsseln aus Freiburg sind wie geschaffen für die klare, trockene Luft Nordafrikas: Schließlich können sie nur direkte Sonnenstrahlung nutzen. Wird das Licht zuvor etwa durch Wasserdampf gestreut, bleibt die diffuse Strahlung wirkungslos. Hier bietet Nordafrika ideale Bedingungen, denn das Licht wird kaum gestreut. Der Anteil der direkten Strahlung in Nordafrika ist nach Häberles Angaben etwa drei mal so hoch wie in Freiburg und immerhin um etwa ein Drittel höher als in Spanien. Auch wenn die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit gerade noch daran arbeitet, den konkreten Bedarf zu ermitteln: Häberle weiß es nur zu gut: Sein Fresnel-Kollektor gehört eigentlich nach Afrika.