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28.01.2008 

Ein Gang durch das Computermuseum zeigt augenfällig, dass die Geschichte der Mathematik zugleich die Geschichte der Menschheit ist und ihrer Bemühungen, das Alltags- und Wirtschaftsleben zu erleichtern und die Mühsal des unentwegten Abzählens mit Hilfe logischer Repräsentation ins Rechnen zu kanalisieren. Die frühe Algebra muss ein ungeheures Maß an Kreativität und Denkerkraft verschlissen haben, deren Ergebnis aber revolutionär war: Erst die Vereinfachung des Zählens führte zur Entwicklung von vergleichbaren Ziffern und Zahlen, die miteinander in rechnerische Beziehung gebracht werden konnten. „In der Mathematik“, schreibt John D. Barrow, „finden wir die Spannung zwischen dem, was unser Geist von der Umgebung, in der er sich entwickelte, abstrahierte, und dem, was ihm durch die Erbanlagen aufgeprägt wurde, die uns zu Menschen machen.“

Barrow ist britischer Astronomieprofessor und populärwissenschaftlicher Buchautor, der sich unentwegt die Frage stellt, warum die Welt mathematisch ist. Seine Antwort – Zahlen geben Sicherheit – könnte das Leitmotiv im Heinz Nixdorf Museumsforum sein, das uns den Werdegang von Theorie und Praxis, von reiner Mathematik zu angewandter Informatik eindrucksvoll vor Augen führt. Wir lernen die Zählkerben eines Mammutjägers kennen, können Kerbhölzer und Abakusse ausprobieren und die Wege und Irrwege der „künstlichen Intelligenz“ nachvollziehen.

Ähnlich wie die Sehnsucht nach Vergleichbarkeit, Vereinfachung und Berechenbarkeit des gewöhnlichen Chaos die Arithmetik auf den Plan brachte, so ähnlich war es um die Künste bestellt. Wie Maler, Zeichner, Geografen und Baumeister mit Hilfe der Geometrie zur Perspektive fanden, auch das zeigt das aufregende Paderborner Mathematik- und Computermuseum zum Beispiel mit Perspektivmaschinen und Erläuterungen zu Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“.

Nebenan langweilt sich ein Halbwüchsiger nasepopelnd vor einem frühen Rechenschieber, während sein mathematikbegeisterter Vater zu verzweifeln scheint: „Das ist doch nicht normal, dass du nicht wissen willst, wie das funktioniert.“ Die beiden sollten es mal mit dem Kryptokegel vor der Wandverglasung versuchen, einem mannshohen Mitmachbeweis dafür, dass es bei der Mathematik nicht nur um das Aufklären von letzten Geheimnissen geht, sondern auch um das Erschaffen neuer Rätsel – angewandte Kryptologie. Mit deren Hilfe taucht der Berichterstatter fasziniert in die abenteuerliche Welt der Geheimagenten und Spione ein – eine Erlösung vom traumatischen Quartals-Alp „Matheabitur“ ist aber auch dadurch wohl nicht in Sicht.

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