Was auch immer wir tun oder lassen, hängt in der Tat von vielen Antrieben oder Motivationen ab, die sich zumindest zum Zeitpunkt des Handelns unserem Bewusstsein weitgehend entziehen. Wenn Sie beispielsweise gern Kaffee trinken und schon das Aroma des Getränkes Ihr Wohlbefinden steigert, dann brauchen Sie keine rationale Begründung, um wieder einmal einen Espresso zu bestellen. (Aus rationalen Gründen Kaffee zu trinken wäre ja auch irgendwie absurd.)
Das ist freilich ein harmloses Beispiel. Weniger harmlos aber ist etwa die Entscheidung eines Spitzenmanagers, seinen Betrieb „gesundzuschrumpfen“ und ein paar Tausend Leute auf die Straße zu setzen. Der Manager mag ja dann sein Handeln als rational rechtfertigen, weil durch diese Maßnahme Kosten gesenkt werden könnten, aber im Grunde haben ihn auch – und vor allem – unbewusste Motive wie Machtstreben oder Profilierungssucht angetrieben.
Wir Menschen sind, so wie alle anderen Lebewesen, Produkt der Evolution durch natürliche Auslese oder Selektion. Unser Gehirn – das Zentrum unseres Denkens, Fühlens und Wollens – wurde nicht dazu „auserlesen“, objektive Urteile zu fällen, sondern es seinem Träger zu ermöglichen, sich erfolgreich durch eine insgesamt nicht sehr freundliche Welt zu manövrieren. Ob es uns passt oder nicht – wir sind durch unsere eigene Stammesgeschichte als Gattung bebürdet. Daher folgen wir in erster Linie dem biologischen Überlebensimperativ, der da lautet: „Bleibe möglichst lang am Leben, und sorge für deine Reproduktion!“ Das setzt natürlich die Sicherung von Ressourcen voraus, womit auch jeder und jede von uns fortgesetzt beschäftigt ist. Zwar sind wir, jedenfalls in den Industriegesellschaften, nicht mehr gezwungen, eigenhändig Pflanzen zu sammeln und Tiere zu erlegen, um uns zu ernähren, aber wir müssen die finanziellen Ressourcen finden, damit wir die von anderen „erbeutete“ Nahrung konsumieren können.
Man ahnt, dass das alles nichts mit Vernunft zu tun hat. Die ist auch eine sehr späte Erfindung in der Evolutionsgeschichte und bildet nur eine dünne Schicht auf einem Bollwerk von Verhaltensanleitungen, die in unserer Evolution über Jahrmillionen entstanden sind und durch die natürliche Auslese stabilisiert wurden.
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