Weltweit haben sich Chemieökologen 40 bis 50 Arten vorgeknöpft. Das Parfüm von befallenen Tomaten, Gurken, Blumenkohl, Ulmen, Kiefern, Tabakpflanzen, Limabohnen und Akazien wurde bereits entschlüsselt. Alle nutzen die Duft-SOS-Strategie. „Pflanzen können zwar nicht wegrennen, aber sie können sich auf äußerst intelligente Weise mit Duft wehren“, betont Dicke.
Fast alle Pflanzen komponieren ihr Parfüm aus drei Substanzklassen: aus Terpenen, die mit ihrem typisch holzig-harzigen oder blumigen Geruch die größte Gruppe mit einem Anteil von etwa 80 Prozent sind. Hinzu kommen Fettsäureabkömmlinge, sogenannte Grünblattkomponenten, die ausströmen, wenn ein Blatt verletzt wird. Diese Substanzen erzeugen den Geruch von frisch gemähten Wiesen. Die dritte Stoffklasse im Pflanzenparfüm sind aromatische Verbindungen, beispielsweise Indol oder Methylsalicylat, eine dem Aspirin ähnliche Substanz.
Jede Pflanze komponiert ihren Duft aus mehreren Dutzenden Vertretern dieser drei Stoffklassen. Sobald zum Beispiel die Kiefernbuschhornblattwespe ihre Eier auf den Kiefernnadeln platziert, verändert der Baum (nicht nur die befallenen Nadeln, sondern auch die benachbarten Zweige ohne Eier) sein Duftmuster so, dass mehr von einem bestimmten Terpen – Trans-beta-Farnesen – abgegeben wird.
Diesen besonders farnesenreichen Kiefernduft bevorzugt die Nützlingswespe im Zusammenhang mit verschiedenen Duftfeldern, wie Hilkers beobachtete. Das Insekt hält sich in der farnesenreichen Region besonders lange auf und fliegt suchend umher. „Das Bemerkenswerte ist, dass die Wespen nicht alleine auf diese Substanz reagieren. Sie brauchen zusätzlich den Hintergrundduft der Kiefern“, schildert Hilker. So wie Menschen Rot besonders gut auf schwarzem Grund erkennen, macht die Wespe den Duft eines befallenen Baumes besonders zuverlässig unter gesunden Exemplaren aus.
Vermutlich reicht die Duftbotschaft der Pflanzen Dutzende Meter, vielleicht sogar einige Hundert Meter weit. „Für die kleinen Tiere sind das beachtliche Distanzen. Das wäre so, wie wenn wir ein Restaurant riechen, das mehrere Kilometer weit entfernt ist“, vergleicht Dicke.
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