Als im vergangenen Herbst nach langen Jahren das britische Teilstück der Schnellstrecke einschließlich des neuen Eurostar-Bahnhofs London St. Pancras in Betrieb ging, schnellte der Umsatz in sechs Wochen um 20 Prozent in die Höhe, sagt Eurostar-Manager Simon Montague. Die Zugverbindungen hätten nicht nur 70 Prozent Marktanteil, sondern sie seien auch um 70 bis 80 Prozent billiger als die Flieger.
Noch arbeiten die Bahnen in Kooperationen. Spätestens nach der europaweiten Liberalisierung des internationalen Personenverkehrs ab 2010 rechnen sie aber mit einem scharfen Wettbewerb auf den Schienen - möglicherweise sogar mit neu gegründeten Bahn-Töchtern der Airlines. So wie sie Thalys-Mann Merz auf Folien seiner Powerpoint-Präsentation schon hat gestalten lassen.
Auch Karl-Friedrich Rausch, Personenverkehrsvorstand der Deutschen Bahn, rechnet mit neuen Marktteilnehmern nach 2010. Nicht unbedingt mit Airlines, sagt der Ex-Lufthanseat. Fluggesellschaften, die Kurzstreckenflüge auf die Schiene verlagern wollten, würden eher Kooperationen mit den Bahnen eingehen. Die hohen Investitionen insbesondere in Personal und Rollmaterial wirkten als Markteintrittsbarriere. Ein Lufthansa
-Sprecher
sagte dazu, die Verlagerung der Flüge von Stuttgart und Köln nach Frankfurt auf ICE-Verbindungen sei von der Kundschaft breit akzeptiert.
Mit der Bestellung von für Frankreich tauglichen ICEs denkt die Bahn selbst an künftigen Wettbewerb: Wenn die Franzosen 2011 ihre neue Linie von Straßburg Richtung Lyon fertig haben, dann wollen die Deutschen mit Direktverbindungen etwa von Frankfurt nach Marseille vom neuen Marktkuchen etwas abhaben.
