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HANDELSBLATT, Dienstag, 6. Mai 2008, 10:15 Uhr

Grundsätzlich sind besonders diejenigen Vögel vom Lärm betroffen, die einen feinen Gesang haben und bei der Balz auf ihre Stimme angewiesen sind, sagt Martin Nipkow, Vogelschutzexperte beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Dazu gehört das Rotkehlchen mit seinem leisen, perlenden Gesang.“ Tote Räume seien die Lebensräume neben Straßen deswegen freilich nicht. Tauben etwa hätten weniger Probleme mit städtischem Trubel, weil sie ihre Weibchen mit Balzflügen umgarnen.

Dass Vögel in lauter Umgebung hohe Töne in ihr Stimm-Repertoire aufnehmen, ist laut Nipkow kein neues und auch kein rein städtisches Phänomen. „Man kennt das von Vögeln an reißenden Flüssen“, sagt er. Beispiele seien Wasseramseln und Eisvögel. Erstaunlich sei aber, wie schnell die Anpassung in Städten gelungen sei. Das zeige, dass die Tiere sich in wenigen Generationen anpassen können - zumindest manche. Weniger anpassungsfähigen Arten droht dagegen das Aus. Zu den Verlierern zählen dem „New Scientist“ zufolge die Goldamsel, der Kuckuck, der Drosselrohrsänger und der Hausspatz, weil sie nicht in der Lage sind, höher zu singen.

Völlig anders könnte Lärm auf Zebrafinken wirken. Diese in Australien heimischen Vögel mit ihren leuchtend roten Schnäbeln sind ihrem Partner normalerweise ein Leben lang treu. Bei Lärm hingegen schwindet ihre Monogamie, wie Forscher um John Swaddle vom College of William and Mary in Williamsburg (US-Bundesstaat Virginia) herausfanden. Das könnte daran liegen, dass Weibchen die vertrauten Laute ihrer angestammten Männchen nicht mehr hören können, berichteten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Animal Behaviour“.

Ob Untreue, Nachtgesang oder tierisches Geschrei - der Lärm in Städten beeinflusst das Leben vieler Vögel. „Die heile Welt fängt eben nicht gleich neben der Fahrbahn an“, sagt NABU-Experte Nipkow.


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