TechnologieForschung + Innovation
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 8. Mai 2008, 14:55 Uhr

Typisch reptilisch, so hatten die Forscher am Anfang der Analysen gemutmaßt, müssten wohl zumindest die Gensequenzen sein, die das Gift des wehrhaften Platypus produzieren, einem von nur einer Handvoll wirklich toxischer Säuger. Bei den Analysen erlebten die Wissenschaftler dann aber eine Überraschung; und das nicht deswegen, weil die weibliche Glennie auch Gene für die Schlangengift ähnelnden Toxine hatte, die eigentlich in die Defensive gedrängte Männchen per Hinterhand-Sporn einsetzen. Spannender war, dass Reptilien und Platypus-Toxin zwar sehr ähnliche Gift-Proteine enthalten, diese aber durch die Umwidmung unterschiedlicher Genabschnitte unabhängig voneinander in einer konvergenten Evolution entstanden sind.

Die Gene zur Milchproduktion sind dagegen keine Eigenentwicklung des Schnabeltiers - kein Wunder, erfanden doch bereits noch sehr reptilische Ahnen der Säuger Milchdrüsen, wohl um damit ihre pergamenthülligen Eier anzufeuchten und vor Mikroben zu schützen. Demnach ist wenig erstaunlich, dass Kloakentiere oder Monotremata wie das Schnabeltier alle Gene besitzen, die Muttermilch so nahrhaft macht. Zudem besitzen sie aber auch das bei anderen Säugern wegrationalisierte Genrüstzeug zur Produktion von Eidotter.

Für eines ist, so entlarven die Genomanalysen weiterhin, ein Schnabeltier jedenfalls mindestens ebenso gut gerüstet wie die vermeintlich höher entwickelten Beuteltiere und echten Säuger: Riechen. Das überrascht, jagt ein Schnabeltier doch meist mit geschlossenen Augen und Ohren unter Wasser seiner Beute nach, wo Geruchswahrnehmung eine untergeordnete Rolle spielen sollte - die Tiere setzten dabei ein seit langem bekanntes, eigentümliches elektrisches Ortungssystem ihrer Schnabelspitze ein.

Das Genomforscherteam fand nun aber ein derart ungewöhnlich großes Repertoire bestimmter Rezeptorgene für das Geruchsstoffe wahrnehmende Vomeronasalorgan, dass es davon ausgeht, Platypus könne wohl seine Beute auch anhand wasserlöslicher, nicht flüchtiger Geruchsstoffe aquatisch erschnuppern. Vielleicht spiegelt sich in der überraschenden Fülle auch nur eine bislang übersehene ausgeprägte Pheromonkommunikation. Insgesamt ähnelt das Riechsystem genetisch-quantitativ jedenfalls weit eher dem typischen Säugersystem als jenem der Reptilien.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Abgekühlter Warmblüter


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Maschinen drillen Fußballstars (16.05. 07:01)
Artikel Jüngste Sternenexplosion in der Milchstraße(15.05. 12:39)
Artikel Luftwände versperren Tabakqualm den Weg(15.05. 12:31)
Artikel Daten aus verglühter Raumfähre gesichert(14.05. 16:07)
Artikel Marker verbessern die Früherkennung(13.05. 11:43)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

Lesen Sie aktuell auf   
Sprudeln und sparen
Zelle statt Kessel
» weitere Meldungen
ELEKTRISCHER REPORTER

Journalismus im Internet-Zeitalter

 Alle Videos

KNÜWER KLICKT DURCH
Blog  Grey - die vielleicht dümmste Werbeagentur der Republik
Indiskretion Ehrensache

Große Werbeagenturen, die arbeiten doch einigermaßen professionell. Kennen die schlichtesten Grundlagen, sagen wir mal, des Internets. Denkt man. Stimmt aber nicht. Wie die Agentur Grey in einer die Lehrbücher schon bald füllenden Mischung aus Unverschämtheit und Dummheit vorführt.
Blog Roger Willemsen in der bel étage
Blog Next Next wird alles gut
Blog Trugbild Web-Video
BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Wasserwüste Sahara
Der Yoa-See im Norden des Tschad ist eines der letzten Überbleibsel aus der Zeit, als die Sahara eine Art grüne Lunge Afrikas war. Wissenschaftler haben die Vergangenheit der größten Wüste der Welt rekonstruiert. Bild für Bild: Wie die Sahara zur Wüste wurde.
Bildergalerie  Tuning für den Browser
Browser wie der Internet Explorer, Firefox oder Opera sind die passenden Werkzeuge für den täglichen Internet-Zugriff. Doch keiner dieser Browser ist so gut, dass er sich durch ein paar Erweiterungen nicht noch verbessern ließe. Zusatzprogramme, so genannte Plugins, verbessern die Bedienung, bringen mehr Sicherheit oder neue Funktionen. Handelsblatt.com stellt einige nützliche Browser-Erweiterungen vor.
Bildergalerie  Geisterfahrt im Untergrund
Nürnberg kann sich künftig mit der ersten vollautomatischen U-Bahn Deutschlands schmücken. Die neue Linie U3 ist aber mehr als eine Bahn ohne Fahrer: Das Betriebskonzept der vollautomatischen U-Bahn ist weltweit einzigartig. Bild für Bild: Die erste Fahrt der U3.
Bildergalerie  Auf Kurs um die Welt
Im Rekordtempo einmal um die Erde - mit weniger gibt sich Pete Bethune nicht zufrieden. Mit seiner futuristisch anmutenden „Earthrace“ jagt der Neuseeländer die zehn Jahre alte Bestmarke für Schnellboote. Doch hinter der Reise steckt mehr als die reine Rekordhatz. Bild für Bild: das Projekt Earthrace.
WISSENS-TESTS
Quiz  Sind Sie fit für Ihren Browser?
Sie kennen sich aus im Internet – klar, denn Sie bewegen sich jeden Tag sicher durch die Weiten des Web. Doch wissen Sie eigentlich auch, wie die Webseiten auf Ihren Bildschirm kommen? Prüfen Sie Ihr Wissen zum Thema Browser im aktuellen Handelsblatt-Test.
Quiz  Was Sie über Windows wissen sollten
Da erscheint es jeden Tag auf dem Monitor und liefert mit seinen Fenstern und der Arbeitsoberfläche die Grundlage Ihrer täglichen Arbeit. Doch wie genau wissen Sie eigentlich über Ihr Betriebssystem Bescheid? Testen Sie Ihr Wissen im aktuellen Windows-Quiz.
Quiz  Mondreisender für einen Tag
Der Weg zum Mond führt über Köln. Hier befindet sich das European Astronaut Center EAC, das alle potenziellen Mondreisenden der Esa durchlaufen müssen. Handelsblatt.com verlost fünf Mal einen Besuch im EAC. Beantworten Sie die folgenden Fragen - und werden Sie Mondreisender für einen Tag.
Quiz  Sparen Sie Speicherplatz
Sie können DVDs abspielen, und Videos aus dem Internet herunterzuladen gehört für Sie zum Alltag? Dann sind Sie sicher auch fit genug, um unseren kleinen Test zu bestehen. Prüfen Sie Ihr Wissen zum Thema "Videos aus dem Web" im aktuellen Handelsblatt-Quiz.

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rechenpower

Neuer Superrechner soll Europas Luftfahrtindustrie vorantreiben.
Gewinnspiel

Werden Sie Mondreisender für einen Tag im Kölner Esa-Zentrum.
Mediawatcher

Hans-Peter Siebenhaar geht in seinem Weblog in medias res.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick