Eine der definitiv weniger säugetierähnlichen Eigenarten aller Kloakentiere ist die Organisation der männlichen Spermienfabriken. Sie war dementsprechend der Arbeitsgruppe von Sheau Hsu von der Stanford University eine eigene Veröffentlichung wert [2]. Die Forscher hoben dabei darauf ab, dass Kloakentiere wie Platypus ihre Spermien nicht in einem nach außen verlagerten Hodensack produzieren, sondern - wie ein anständiges Reptil - in Hoden, die im Körperinneren nahe der Niere residieren.
Das sieht auf den ersten Blick praktisch aus, aber auch der mühsam nach extern verlegte Hodensack echter Säugetiere hat unbestreitbare Vorzüge: In ihm ist die Temperatur niedriger als im Kernkörper, wodurch die Spermien geschont werden und länger zeugungsfähig bleiben. Der Prozess des Spermienfabrik-Outsourcings der Säuger war allerdings beschwerlich. Verantwortlich für die anatomische Wanderung sind unter anderem die Gene der Relaxin-Familie.
Relaxine sind Proteine, die bei verschiedenen Körperprozessen eine Rolle spielen, etwa auch bei der Entwicklung von Brustwarzen. Bei echten Säugetieren entstanden demnach auch aus einem Ur-Relaxin verschiedene Tochterrelaxine, die heute jeweils eigenständige Funktionen erfüllen - eines, INSL3, interagiert in einem kritischen Schritt der Hodenverlagerung nach draußen mit dem Rezeptor "LGR8". Genau dieses Relaxin fehlt nun den Schnabeltieren, ermittelte Hsus Team - obwohl die ersten Schritte des Umbaus des Ur-Relaxins der Reptilien schon erfolgten.
Das Fehlen einer INSL3-Funktion verhindert also die kühlende Verlagerung der Spermienfabriken in einen externen Hodensack - und sorgt damit für eine Reihe von Konsequenzen, so Hsu: Wahrscheinlich ist genau aus diesem Grund die Körpertemperatur der Schnabeltiere mit rund 31 Grad Celsius notgedrungen deutlich niedriger als bei der Säugerverwandtschaft.
Damit verzichtet Platypus gezwungenermaßen auf die Vorteile - etwa die deutlich besseren Voraussetzungen für schnelle Bewegungen und Reflexe -, die höhere Kerntemperaturen möglich machen. Kurz: Um ebenso großen Erfolg zu haben wie die echten Säuger, sind die hodentechnisch limitierten Schnabeltiere also wohl tatsächlich etwas zu kühl geraten, fassen Hsu und Kollegen zusammen. Sicherlich sind sie allerdings ziemlich coole Tiere - da sind sich Fans und alle Forscher auch nach der Genanalyse einig.
