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HANDELSBLATT, Montag, 5. März 2007, 09:30 Uhr
Arzneimittelpreise

Was darf es kosten?

Von Michaela Hoffmann, Eva Haacke und Jürgen Rees, Wirtschaftswoche

Ein kleines Institut in Köln entscheidet, ob Medikamente ihren Preis wert sind - und steht deshalb unter dem heftigen Beschuss der Pharmabranche.


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Explodierende Arzneimittelpreise bedrohen das ohnehin finanziell ausgezehrte Gesundheitssystem. Foto: dpa
Bild vergrößernExplodierende Arzneimittelpreise bedrohen das ohnehin finanziell ausgezehrte Gesundheitssystem. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Das Haus mit der roten Klinkerfassade thront auf dem 107 Meter hohen Seidenberg, auf dem schon in der Frühzeit Menschen siedelten. In dem modernen Gebäude lockern nur ein paar bunte Bilder an den Wänden die weiße Sterilität auf. Hier, im Gebäude mit der Hausnummer 3a in Siegburg nahe Bonn, residiert der oberste Hüter über alle Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA). Regelmäßig streiten sich in den Konferenzräumen die 21 Vertreter der Ärzte, der Krankenhäuser, der nicht stimmberechtigten Patientenvertreter mit den Krankenkassen, welche Medikamente und Behandlungsmethoden die Deutschen auf Kassenrezept bekommen.

Die wissenschaftliche Basis für die Entscheidungen des GBA liefert Peter Sawicki, der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem nur wenige Kilometer entfernten Köln-Kalk. Der grau gelockte Mediziner hat es geschafft, binnen Kurzem zum wohl meistgehassten Mann der Pharmaindustrie aufzusteigen. Das lässt den 50-jährigen Diabetologen kalt, er verfolgt eine heikle Mission: Mit seinen 70 Mitarbeitern stellt er die Medizin in Deutschland auf den Prüfstand.

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In die Schusslinie der Pharmaunternehmen geriet Sawicki schon bald nach der Gründung des Instituts 2004, als er mit Blick auf die Gesundheitsreform einen Richtungswechsel in der deutschen Gesundheitspolitik forderte. "Die Pharmaindustrie muss sich daran gewöhnen, dass sie nicht mehr die Deutungshoheit bei der Bewertung von Arzneimitteln hat", sagt Sawicki, der zuvor zehn Jahre lang Mitherausgeber des pharmakritischen "Arznei-Telegramms" und zudem Leiter der Inneren Medizin am Kölner St.-Franziskus-Hospital war.

Für die Pharmaunternehmen waren das ungewohnte Töne. Nie zuvor war in Deutschland untersucht worden, ob teure Medikamente oder neue Behandlungsmethoden einen nachweisbaren Nutzen haben. Diese Aufgabe hat das Kölner Institut übernommen, das von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert wird. Die Pillenkontrolleure prüfen, ob neue Medikamente im Vergleich zu bereits vorhandenen Arzneien einen Zusatznutzen bieten. Im Kern geht es um die Frage: Sind teure Arzneimittel wirkliche Neuheiten oder nur Scheininnovationen? "Nur maximal ein Drittel der weltweit neu zugelassenen Medikamente sind echte Neuerungen", behauptet Sawicki.

Schon bald soll das IQWiG noch mehr Macht und Verantwortung bekommen: Vom 1. April an wird das Institut auch Kosten-Nutzen-Untersuchungen anstellen - bisher untersuchten die Kölner nur, ob Medikamente oder eine Behandlung tatsächlich einen messbaren Zusatznutzen haben. Künftig sollen auch die Kosten bewertet werden: Was kostet das zusätzliche Lebensjahr eines Krebspatienten? Und: Wie viel Geld ist den Krankenkassen der medizinische Fortschritt wert?

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Um die wissenschaftliche Methode, mit der der Nutzen eines Medikaments gemessen wird, gibt es von Anfang an Ärger.


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