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HANDELSBLATT, Dienstag, 22. Mai 2007, 07:15 Uhr
Leserbeteiligung in Foren oft problematisch

Eine Frage des Anstandes und der Fairness

Etliche Zeitungen wollen angesichts sinkender Auflagen ihr Publikum mit Online-Foren stärker an sich binden. Insbesondere in den USA ist dieser Trend zu beobachten. Kontrollen sollen dabei die Qualität der Angebote garantieren. Die Leserbeteiligung bleibt aber ein Drahtseilakt.


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HB NASHVILLE. Die Anonymität des Internets führt leider auch oft dazu, dass die Möglichkeit, Beiträge kommentieren und eigene Berichte online einstellen zu können, für Obszönitäten und rassistische Bemerkungen genutzt wird, die so nie in einer gedruckten Zeitung erscheinen würden. Auf der Website der Zeitung „The Tennessean“ aus Nashville wurde zum Beispiel kürzlich den Angehörigen einer ethnischen Gruppe geraten, „da wieder hinzugehen, wo ihr hergekommen seid“, andere wurden mit Insekten verglichen. Solche Ausfälle sind in Internet-Chat-Rooms oder in nicht moderierten Diskussionsforen zwar nicht ungewöhnlich, für Zeitungen stellt sich aber die Frage, wie sie ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu den Online-Medien erhöhen, gleichzeitig ihre Standards in Anstand, Fairness und Verlässlichkeit beibehalten können.


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Für Sree Sreenivasan, Direktor des Bereichs Neue Medien an der Journalistenschule der Columbia Universität, wiegt die Leserbeteiligung das Negative auf. „Viele Menschen wollen etwas tun, wenn sie eine Geschichte lesen“, sagt Sreenivasan. „Früher konnte man das nur dem Kollegen an der Kaffeemaschine erzählen, wenn man empört war. Jetzt leitet man es an hundert Leute weiter und schreibt dazu: 'Da müssen wir etwas tun.'“

Es gibt aber auch einige spektakuläre Fehlschläge. Die „Los Angeles Times“ musste 2005 ein interaktives Online-Editorial über den Irak-Krieg nach nur drei Tagen schließen, weil die Seite mit vulgären Ausdrücken und pornografischen Bildern überschwemmt wurde. Zwar können Zeitungen die Online-Beiträge durch automatische Filter oder auch Redakteure überwachen lassen, aber das kostet Geld, das in einer Zeit, in der auch in den Redaktionen gespart wird, knapp ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Es geht darum, ein breites Publikum zu erreichen“


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