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HANDELSBLATT, Mittwoch, 30. April 2008, 12:37 Uhr
Im Gespräch mit: Matthias Greve

„Im Netz ist wenig Luft für Neulinge“


Das Internet feiert seinen 15. Geburtstag. Matthias Greve, der Gründer von Web.de und heutige Vorstand bei 1&1, war bei der Geburt dabei. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die Trends der nächsten 15 Jahre.


Herr Greve, das Internet feiert 15. Geburtstag. Sie waren bei der Geburt mit dabei. Wie geht es unserem Teenager heute?

Gut. Das Internet ist in der realen Welt angekommen. Daran zweifelt niemand mehr ernsthaft. Es ist das Kernmedium des 21. Jahrhunderts.

Sie haben damals praktisch alle alten Geschäftsfelder aufgegeben und Web.de gegründet, ein Unternehmen, das mit E-Mails groß geworden ist. Was wird die E-Mail in 15 Jahren abgelöst haben?

Gar nichts. Die E-Mail ist gerade erst einmal dabei, den Brief überhaupt als offiziellen Standard abzulösen. Der nächste Schritt wird sein, den Status als rechtssicheres Kommunikationsmittel zu erlangen.

Am 30. April 1993 startete der erste Webbrowser „Mosaic“, später „Netscape“. Alle haben ihn benutzt. 2008 wurde der Netscape-Browser offiziell beerdigt. Ist der 15. Geburtstag des WWW auch eine Zäsur in Alt und Neu?

Nicht in Alt und Neu. Aber damals haben sich alle gefragt: „Wie komme ich überhaupt rein.“ Heute lautet die Frage: „Was mache ich damit.“ In 15 Jahren wird niemand das Web bewusst zur Kenntnis nehmen – denn es wird dann in unserem Leben schlicht allgegenwärtig sein.

Wie werden wir das Web in 15 Jahren nutzen?

Der Unterschied zwischen PC-Internet und mobilem Internet wird verschwunden sein. Wir werden alles immer griffbereit haben. Die Einführung des iPhone war eine Art Zäsur.

Das PC-Internet ist frei zugänglich, das mobile Internet „gehört“ dagegen den Mobilfunkfirmen. Wird das nicht die Entwicklung fundamental ändern?

Nein, die Mobilfunkprovider sind mit ihren geschlossenen Systemen schon gescheitert. So wie der Web-Pionier AOL inzwischen mit seinem geschlossenen Dienst gescheitert ist.

Wird die Funktechnik Wimax dabei eine Rolle spielen? Oder analoge TV-Frequenzen, wie sie in den USA bald genutzt werden sollen für Internetzugänge, die für jedermann offen sind?

Dem Nutzer wird es egal sein, wie er ins Internet gehen wird. Das wird sich alles regeln, so wie sich damals das Problem mit den verschiedenen Modemstandards geregelt hat. Auch in Deutschland werden übrigens die analogen TV-Frequenzen bald frei werden. Die werden eine Rolle spielen im mobilen Internet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was ein erfolgreiches Start-up heute mitbringen muss


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