Wie Leserkommentare am besten überwacht werden können, sei eine offene Frage, sagt Randy Bennett, Vizepräsident des Verbands der amerikanischen Zeitungsverleger (Newspaper Association of America). „Es geht darum, ein breites Publikum zu erreichen, dieses Publikum zu binden und Anzeigen zu verkaufen“, sagt Bennett. Die Zeitungen machen derzeit fünf bis sieben Prozent ihres Umsatzes mit ihren Websites, der Anteil wird in den nächsten Jahren vermutlich aber noch steigen. Einige Verleger befürchten, dass eine zu starke Kontrolle die Leser vertreibt.
Die Zeitung „USA Today“ lässt seit März Kommentare zu allen ihren Artikeln zu und hatte seitdem mehr als 140 000 Beiträge zu verzeichnen. „Das ist ein Drahtseilakt, bei dem wir versuchen, die richtige Umgebung zu schaffen, die auch unsere Marke widerspiegelt, und dabei gleichzeitig nicht zu sehr zu kontrollieren“, sagt Chefredakteur Kinsey Wilson.
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Eine der wenigen Zeitungen, die jeden Online-Beitrag kontrollieren lässt, ist die „New York Times“. Nach dem Amoklauf an der Hochschule Virginia Tech waren fünf Redakteure gleichzeitig damit beschäftigt, alle Kommentare zu sichten, sagt Vivian Schiller, Vizepräsidentin und Geschäftsführerin von NYTimes.com. Damit solle sichergestellt werden, dass die Qualität der Zeitung sich auch im Internet spiegele, erklärt Schiller. „Ich kann die Leute nicht verstehen, die sagen, 'wir kapitulieren einfach vor den irrelevanten Informationen auf unserer Website'.“
Für die Verleger, die noch auf der Suche nach dem richtigen Weg sind, wie sie die Diskussion unter ihren Lesern in die richtigen Bahnen lenken können, ist es vielleicht beruhigend zu wissen, dass auch Internet-Giganten damit immer noch ihre Probleme haben. Im Dezember mussten die Leser der Nachrichtenseite von Yahoo feststellen, dass etwas fehlte. Statt der üblichen Kommentarspalte gab es nur eine Mitteilung von Yahoo, in der es hieß, eine kleine Gruppe wortgewaltiger Nutzer habe die Diskussionen dominiert. Dann wurde angekündigt, dass das Diskussionsforum in einer anderer Form wiederkehren werde, die eine „bessere Diskussion unter allen unseren Nutzern“ fördern werde.