Googles neues Geschäftsfeld Spionage empört nicht nur Privatleute, sondern ruft auch Politiker und Militärs auf den Plan. Nicht ohne Grund: Anfang Juni verhaftete das FBI vier Männer, die angeblich die Treibstoffleitungen des New Yorker John-F.-Kennedy-Airports in die Luft jagen wollten. Auf einem Laptop der Verdächtigungen fanden sich Bilder des Flughafens aus Google Earth. Die indische Regierung beklagte sich bei Google, dass Militärbasen, Nuklearkraftwerke und auch das Büro des indischen Premierministers im Internet zu sehen seien. Und im Stab der Volksbefreiungsarmee Chinas schäumten die Generäle, nachdem der amerikanische Wissenschaftler Hans Kristensen auf Google Earth ein streng geheimes Nuklear-U-Boot im Hafen einer nordchinesischen Militärbasis entdeckt hatte. „Die Daten auf Google Earth stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen“, verteidigt sich Google-Earth-Chef John Hanke.
Tatsächlich sind die Funde von hochgeheimer Militärausrüstung auf öffentlich zugänglichen Satellitenfotos eher selten. Denn betrieben werden die Satelliten hauptsächlich von US-Unternehmen, die eng mit Militär und Geheimdiensten kooperieren. So wie DigitalGlobe aus Colorado. Die Firma ist Googles Hauptlieferant von hochauflösenden Aufnahmen. Von vornherein werden hier sensible Gebiete weniger hochauflösend fotografiert oder nachträglich retuschiert.
Doch in einer Welt, in der Hunderte Fotoseiten wie Flickr, mit privaten Informationen gespickte Netzwerke wie Facebook und Myspace sowie Blogs vor sich hin wuchern, ist jede Zensur sinnlos. Verschwommene Flecken auf der Landkarte ziehen erst recht Neugierige an – so wie der Wohnsitz von US-Vizepräsident Dick Cheney.
Aber auch Normalbürger sind von Spionage aus der Luft betroffen. Finanzämter haben dank Landkartendiensten wie Google Maps, Yahoo oder Mapquest ausgezeichnete Werkzeuge, um etwa die Kilometerangaben von Spesenabrechnungen zu prüfen. Auch die vermeintliche Größe von Arbeitszimmern oder Fabrikgebäuden lässt sich anhand von Satellitenbildern kontrollieren.
Datensammler wie Whitegold Solutions aus dem kalifornischen San Rafael schlagen aus Spähtouren via Google Earth und Microsoft Earth View inzwischen Kapital. Die Firma ist ein Spezialist im Auswerten von Überwachungsfotos. Jetzt setzt sie diese Techniken dazu ein, um auf Satellitenfotos Swimmingpools, Rasenflächen und Gartenlauben ausfindig zu machen und die Adressen an Dienstleister zu verkaufen. Auch Dachdeckerfirmen nutzen Google Earth, um vorab schon mal zu schauen, ob sich ein Auftrag lohnt.
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