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30.09.2007 

Gehen Sie die Städte aktiv an oder melden die sich bei Ihnen?

Beides. Im Fall von Hamburg hat sich die Stadt bei uns gemeldet. Viele Städte betrachten Google Earth als Marketingwerkzeug, um Investoren anzuziehen. Zu Recht. Wir selbst nutzen das Programm beispielsweise, um Standorte für neue Büros auszukundschaften. Viele Firmen machen das mittlerweile ebenso.

Sind 3-D-Modelle nicht sehr teuer?

Es geht. Die Kosten für 3-D-Software sind glücklicherweise gefallen. In manchen Fällen ist es sogar komplett kostenlos, weil Nutzer die Modelle in ihrer Freizeit bauen. Aber das dauert natürlich länger und geschieht nicht koordiniert.

Hätten Sie gedacht, dass Google Earth eine solche Erfolgsgeschichte werden würde? Keyhole wäre 2001 an dem Programm fast zugrunde gegangen.

Das war in der Tat eine schwierige Zeit. Wir hatten schon im Sommer 2000 begonnen, nach Kapitalgebern zu suchen. Das zog sich allerdings sechs Monate hin. Schließlich gab uns eine Sony-Tochter 4,5 Millionen Dollar Risikokapital. Unser Problem war nur, dass wir das Geld relativ schnell wieder ausgaben. So war die Zeit eben damals: Man wollte schnell auf den Markt, schnell viele Nutzer bekommen und viel Verkehr auf den Seiten haben. Im November 2001 war das Geld verbraucht. Neue Investoren waren nicht in Sicht und unser Aufsichtsrat drängte, die Firma innerhalb von 24 Stunden zu schließen.

Wie haben Sie das Unternehmen gerettet?

Wir boten unseren Mitarbeitern an, auf einen Teil des Gehalts zu verzichten und dafür mehr Aktienoptionen zu erhalten. Damit hielten wir uns aber nur eine Weile über Wasser. Mitte 2002 standen wir aber wieder kurz vor dem Aus. Ein paar Privatinvestoren und auch Freunde halfen uns damals aus der Patsche.

Im Oktober 2004 wurde Keyhole von Google übernommen. Auf Ihre Initiative hin?

Nein, der Anstoß dazu kam von Google. Dort nutzten etliche Leute unser Produkt und fanden es toll. Angeblich hat es Google-Gründer Sergey Brin auf einer Konferenz vorgeführt und seine Kollegen gedrängt, unser Unternehmen zu kaufen. Wir bekamen also ein Angebot.

Der Traum vieler Startups. Haben Sie über das Angebot lange nachdenken müssen?

Im Rückblick hört sich das verrückt an: Ja, wir haben Wochen gebraucht, um uns zu entscheiden. Sie mögen das nicht verstehen, aber damals umgab Google ein Hauch des Mysteriösen. Niemand wusste so richtig, ob Google Geld verdient oder verliert. Im Rahmen der Kaufverhandlungen hat uns Google dann einen gewissen Einblick in ihre Zahlen gegeben. Wow – da wurde mir klar, das ist keine Blase, sondern ein solides Geschäftsmodell.

Die Entscheidung, Keyhole an Google zu verkaufen, haben Sie also nie bereut?

Ich habe davon geträumt, dass unser Produkt einmal eine Million Nutzer haben würde. Mittlerweile wurde es über 300 Millionen Mal heruntergeladen. Das sagt doch alles, oder?


Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 36, 03.09.2007.

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