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27.12.2006 

„Zwar ist Spanien immer noch sehr traditionell und religiös geprägt, dennoch verfügt es seit Jahren über einer der liberalsten Biomedizingesetze“, sagt die Italienerin Elisabetta Ricciarelli, Chefin der Reproduktionsklinik FIV in Madrid. Das habe dazu geführt, dass es inzwischen einige hundert auf künstliche Fortpflanzung spezialisierte Kliniken gibt, die meisten davon in Madrid, Barcelona und Valencia. In Spanien dürfen inzwischen Embryonen eingefroren und Eizellen gespendet werden. Auch alleinstehende Frauen können sich künstlich befruchten lassen, bis zu sieben Eizellen dürfen für die Entwicklung eines Embryo verwendet, drei Embryos können in die Gebärmutter eingepflanzt werden.

Seit vergangenem Jahr wird auch die Adoption von Embryonen in spanischen Kliniken praktiziert. 200 Paare haben sich bisher dafür interessiert, die Hälfte davon sind Ausländer, vor allem Deutsche und Briten. Mehr als dreißig Frauen sind in Spanien inzwischen auf diese Weise erfolgreich schwanger geworden. Allerdings ist dieser Weg zum Kinderwunsch nicht billig: Der Transfer gespendeter Embryonen in die Gebärmutter kostet beim Institut Marquès unabhängig vom Erfolg 10 000 Euro.

Ein moralisches Limit für den Kinderwunsch setzen die Spanier nur beim Alter. Frauen über 50 Jahre werden in den meisten Kliniken nicht mehr behandelt. Der Großteil der Patientinnen ist um die 40 Jahre alt, immer mehr kommen aus dem Ausland. Die meisten lassen sich zwei Embryos einpflanzen.

Ob sich die Reise lohnt, entscheiden die Paare wohl auch mit Blick auf die EU-Statistik der Reproduktionsmedizinischen Gesellschaften: Danach liegt die Schwangerschaftsrate nach einer Befruchtung außerhalb des Körpers (In-vitro-Fertilisation) in Deutschland bei knapp 28,9 Prozent, in Spanien aber bei 34,8.

Nicht nur die liberale Gesetzgebung und der Stand der Technik haben Spanien in Sachen künstlicher Fortpflanzung nach vorne gebracht. Auch die Spanierinnen, die ihren Lebensstil drastisch geändert haben, verleihen der Entwicklung Schub: „Heutzutage will hier doch kaum jemand unter 35 Jahren Kinder haben“, sagt Ricciarelli. Deswegen gehört die Geburtenrate des früher kinderreichen Landes inzwischen zu den niedrigsten der Welt.

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