TechnologieMobile Welt
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Freitag, 8. Februar 2008, 09:31 Uhr
Mobile Business

Anwender dringend gesucht

Von Lars Reppesgard

Das iPhone macht noch keinen Boom - aber es hat vielen Menschen vor Augen geführt, was ein mobiles Büro sein könnte. Doch insgesamt stagniert das mobile Business derzeit, denn neue benutzerfreundliche Konzepte für Datendienste über das Internet sind Mangelware. Ein Problem, das die Experten auch auf dem am Montag beginnenden 3 GSM Mobile World Congress in Barcelona umtreiben dürfte.


 Mehr zum Thema: 3GSM Mobile World Congress 2008
Artikel

Von Grünen und anderen Geistern (14.02. 13:56)

Artikel

Das Rennen ist offen (14.02. 10:08)

Artikel

„Neue Dienste verändern die Branche“ (14.02. 10:31)

Zum Special ...



Das iPhone allein macht noch keinen Boom. Doch es hat vielen vor Augen geführt, was ein mobiles Büro sein kann. Foto: dpa
Bild vergrößernDas iPhone allein macht noch keinen Boom. Doch es hat vielen vor Augen geführt, was ein mobiles Büro sein kann. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Manchmal sind Zahlen doch nicht alles: Rund 2,3 Millionen iPhones hat Apple bislang verkauft - nicht viel mehr als ein großer Handyhersteller wie Nokia an einem Tag ausliefert. Das Mode-Telefon dürfte folglich keine sensationelle Neuerung sein für den Bereich der mobilen Geschäftsanwendungen, könnte man meinen. Und dennoch: Viele Geschäfts- und Computerfachleute hat das schmucke Teil tief beeindruckt. "Nicht, dass es technologisch ein großer Durchbruch wäre, aber die Art und Weise, wie mit Kommunikation Begeisterung erzeugt wurde, ist schon einzigartig", sagt Michael Kollig, CIO für Ost-, Zentral- und Nordeuropa bei der Danone Group in Haar. Und Mikko Hypponen, Chef der Anti-Virus Research-Abteilung bei F-Secure in Helsinki, glaubt: Erst das iPhone habe überhaupt "extrem vielen Nutzern das Konzept Smartphone näher gebracht".

Für Netzbetreiber und die Anbieter von mobilen Lösungen für die Geschäftswelt dürfte der Trubel rund um das iPhone eine gute Nachricht sein. Vor allem, wenn sie sich ab Montag auf dem 3GSM Mobile World Congress in Barcelona die Köpfe darüber heiß reden, wie der Umsatz, den jeder Kunde bei der Nutzung dieser Dienste macht, weiter gesteigert werden kann. Denn bisher gilt: Neue, benutzerfreundliche Konzepte für Datendienste über das Mobiltelefon sind Mangelware.

Schließlich wächst gegenwärtig deren Geschäft mit den mobilen Datendiensten längst nicht schnell genug, um die Umsatzverluste aufgrund sinkender Gesprächsgebühren aufzufangen. Beispielsweise zählt der Düsseldorfer Mobilfunker Vodafone zwar stolze 4,75 Millionen UMTS-Kunden, darunter 4,23 Millionen mit UMTS-Handys und 517 000 mit Laptops und UMTS-Karte. Doch der wichtige Umsatz pro Kunde und Monat (ARPU) betrug nur noch 19,50 Euro im letzten Quartal, im Vergleich mit dem Vorjahresquartal sank er um 2,90 Euro je Kunde. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, der Markt für mobile Geschäftslösungen wächst dem britischen Marktforschungsunternehmen Datamonitor zufolge vor allem in Deutschland inzwischen nur noch langsam.

So gut wie alle Topmanager haben bereits einen Blackberry oder ein anderes Mobil-Spielzeug. Und solche Branchen, die mobile Geschäftsanwendungen in der Breite gut gebrauchen können, nutzen sie bereits. Die meisten Versicherungen und andere Finanzdienstleister versorgen ihre Außendienstler schon mit mobilen Daten. Und wer Service-Techniker bei Wartungsarbeiten mit Informationen aus der Zentrale unterstützen kann, tut dies ebenfalls bereits. Rund 60 Prozent der Unternehmen nutzen mobile Geschäftslösungen, Datamonitor-Analystin Aphrodite Brinsmead glaubt nicht daran, dass es in nächster Zeit wesentlich mehr werden: "Der Markt ist gesättigt. Die Firmen, die sich von mobilen Geschäftsanwendungen Vorteile versprechen, setzen sie ein. Die übrigen Unternehmen sehen keinen Sinn darin und investieren deshalb nicht in sie." Der Aufbau weiterer Mobil-Lösungen habe in Firmen keine Priorität.

Die teilweise schlechten Erfahrungen der Pionierkunden erschwert obendrein das Geschäft: So warnt das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner die Mobilfunkanbieter davor, sich zu wenig an den individuellen Anforderungen ihrer Großkunden zu orientieren. "Im Moment tun viele Anbieter nicht genug, um Unternehmenskunden langfristig zu halten", sagt Gartner-Analyst Martin Gutberlet. Er vermisst spezialisierte Teams, die jeweils einen Firmenkunden betreuten. "Das Ziel sollte sein, Marktanteile in einem Sektor zu verteidigen, in dem die Bedürfnisse der Kunden immer anspruchsvoller werden." Dabei gäbe es Möglichkeiten, die Kundenzufriedenheit zu steigern, sagt Gutberlet. So könne man für unterschiedliche Nutzer wie beispielsweise Vielreisende oder Fachleute mit einem hohen Bedarf an mobilen Datenverkehr individuelle Vertragsprofile erstellen.

Angesichts der nur langsam wachsenden Datenumsätze durch Geschäftsanwender ruht die Hoffnung der Mobilnetzbetreiber verstärkt auf den Privatkunden. Mit eigenen mobilen Datenangeboten wie T-Zones bei T-Mobile, iMode von E -Plus oder Vodafone Live sind die Netzanbieter gescheitert. Nun sollen der einfache Zugang ins Internet ohne technische Umwege und Pauschaltarife das Geschäft ankurbeln. Angebote wie Nokias Ovi-Portal sind bereits speziell auf Mobilsurfer zugeschnitten.

Die Kooperation von T-Mobile mit Apple zeigt aber, wie schwach inzwischen die Verhandlungsposition der Mobilnetzbetreiber ist. Die Anbieter attraktiver Inhalte und Endgeräte schaffen es inzwischen, den einst mächtigen Herren der Mobilwelt, Bedingungen zu diktieren: Apple bekommt 30 Prozent der Gesprächs- und Datenumsätze. Diese Vereinbarung könnte sich für die Netzbetreiber als gefährlicher Präzendenzfall erweisen, denn auch die Anbieter von mobiler Werbung, Shopping-Lösungen oder Handy-TV-Programmen könnten sich nun auf ihre Marktmacht besinnen und immer größere Stücke vom Kuchen fordern. Roman Friedrich, Telekom-Experte des Unternehmensberaters Booz Allen Hamilton, hält es sogar für möglich, "dass die Mobilfunker zu bloßen Lieferanten von Bits verkommen".


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:

Artikel Blackberry-Blackout(14.05. 16:19)
Artikel RIM mit neuem Super-Blackberry(13.05. 07:03)
Artikel Biegsame Bildschirme aus der Druckerpresse(18.04. 12:18)
Artikel Handy-Hersteller setzen alles aufs Spiel (08.04. 11:24)
Artikel Abschied vom Dampfradio(31.03. 14:10)

Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

Lesen Sie aktuell auf   
Sprudeln und sparen
Zelle statt Kessel
» weitere Meldungen
ELEKTRISCHER REPORTER

Journalismus im Internet-Zeitalter

 Alle Videos

KNÜWER KLICKT DURCH
Blog  Grey - die vielleicht dümmste Werbeagentur der Republik
Indiskretion Ehrensache

Große Werbeagenturen, die arbeiten doch einigermaßen professionell. Kennen die schlichtesten Grundlagen, sagen wir mal, des Internets. Denkt man. Stimmt aber nicht. Wie die Agentur Grey in einer die Lehrbücher schon bald füllenden Mischung aus Unverschämtheit und Dummheit vorführt.
Blog Roger Willemsen in der bel étage
Blog Next Next wird alles gut
Blog Trugbild Web-Video
BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Wasserwüste Sahara
Der Yoa-See im Norden des Tschad ist eines der letzten Überbleibsel aus der Zeit, als die Sahara eine Art grüne Lunge Afrikas war. Wissenschaftler haben die Vergangenheit der größten Wüste der Welt rekonstruiert. Bild für Bild: Wie die Sahara zur Wüste wurde.
Bildergalerie  Tuning für den Browser
Browser wie der Internet Explorer, Firefox oder Opera sind die passenden Werkzeuge für den täglichen Internet-Zugriff. Doch keiner dieser Browser ist so gut, dass er sich durch ein paar Erweiterungen nicht noch verbessern ließe. Zusatzprogramme, so genannte Plugins, verbessern die Bedienung, bringen mehr Sicherheit oder neue Funktionen. Handelsblatt.com stellt einige nützliche Browser-Erweiterungen vor.
Bildergalerie  Geisterfahrt im Untergrund
Nürnberg kann sich künftig mit der ersten vollautomatischen U-Bahn Deutschlands schmücken. Die neue Linie U3 ist aber mehr als eine Bahn ohne Fahrer: Das Betriebskonzept der vollautomatischen U-Bahn ist weltweit einzigartig. Bild für Bild: Die erste Fahrt der U3.
Bildergalerie  Auf Kurs um die Welt
Im Rekordtempo einmal um die Erde - mit weniger gibt sich Pete Bethune nicht zufrieden. Mit seiner futuristisch anmutenden „Earthrace“ jagt der Neuseeländer die zehn Jahre alte Bestmarke für Schnellboote. Doch hinter der Reise steckt mehr als die reine Rekordhatz. Bild für Bild: das Projekt Earthrace.
WISSENS-TESTS
Quiz  Sind Sie fit für Ihren Browser?
Sie kennen sich aus im Internet – klar, denn Sie bewegen sich jeden Tag sicher durch die Weiten des Web. Doch wissen Sie eigentlich auch, wie die Webseiten auf Ihren Bildschirm kommen? Prüfen Sie Ihr Wissen zum Thema Browser im aktuellen Handelsblatt-Test.
Quiz  Was Sie über Windows wissen sollten
Da erscheint es jeden Tag auf dem Monitor und liefert mit seinen Fenstern und der Arbeitsoberfläche die Grundlage Ihrer täglichen Arbeit. Doch wie genau wissen Sie eigentlich über Ihr Betriebssystem Bescheid? Testen Sie Ihr Wissen im aktuellen Windows-Quiz.
Quiz  Mondreisender für einen Tag
Der Weg zum Mond führt über Köln. Hier befindet sich das European Astronaut Center EAC, das alle potenziellen Mondreisenden der Esa durchlaufen müssen. Handelsblatt.com verlost fünf Mal einen Besuch im EAC. Beantworten Sie die folgenden Fragen - und werden Sie Mondreisender für einen Tag.
Quiz  Sparen Sie Speicherplatz
Sie können DVDs abspielen, und Videos aus dem Internet herunterzuladen gehört für Sie zum Alltag? Dann sind Sie sicher auch fit genug, um unseren kleinen Test zu bestehen. Prüfen Sie Ihr Wissen zum Thema "Videos aus dem Web" im aktuellen Handelsblatt-Quiz.

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Rechenpower

Neuer Superrechner soll Europas Luftfahrtindustrie vorantreiben.
Gewinnspiel

Werden Sie Mondreisender für einen Tag im Kölner Esa-Zentrum.
Mediawatcher

Hans-Peter Siebenhaar geht in seinem Weblog in medias res.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick