| HANDELSBLATT, Montag, 5. Mai 2008, 14:57 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Besonderes Interesse hat der Spähtrupp derzeit an den Schwellenländern – schließlich leben dort die Kunden von morgen. Um richtig in die Tiefe zu gehen, mieteten sie sich zum Beispiel in einem ärmlichen Viertel der ghanaischen Hauptstadt Accra in ein Hotel ein und heuerten ein lokales Team von Helfern an. Mit deren Hilfe führten sie dann ausführliche Interviews und begleiteten Menschen im Alltag. Dabei sahen sie, wie Handys als Zugang zum Internet und zu Finanzdienstleistungen dienen und auf ihnen ganze Existenzen basieren. In Accra testeten sie auch auf der Straße Konzepte für neue, preiswerte Telefone. In einem mobilen Designstudio konnten Besucher ihr Wunsch-Telefon skizzieren. In Indien fanden die Nokia-Designer bei einer ähnlichen Aktion heraus, dass in ländlichen Regionen großer Bedarf an einem „Wetter-Telefon“ herrscht, das zuverlässig Regen und Sonne für den nächsten Tag vorhersagt. Hier erforschen sie zum Beispiel auch seit fünf Jahren, wie ein Telefon für Analphabeten idealerweise aussehen sollte. Ein Design-Team hat erste Ideen für ein Bedienmenü ohne Schrift entwickelt: Eine chronologische Liste von Fotos der Anrufer zählt dazu. „Wir müssen Telefone für die ganze Welt entwickeln“, fasst Nokias Designchef Alastair Curtis die Herausforderung zusammen. Und nicht nur Telefone – das Handy entwickele sich immer mehr zum wichtigsten Gegenstand, den der Mensch mit sich herumtrage, zur Schnittstelle zur digitalen Welt. 300 Designer aus 35 Ländern arbeiten in seiner Abteilung. Zum ersten Mal öffnete Nokia jetzt die globale Design-Zentrale im Londoner Amüsierviertel Soho für Journalisten – und bot einen Einblick in die umfangreichen Feldstudien, mit denen der Konzern seine Kunden zu verstehen sucht. Auf das emotionale Feedback komme es an. Moment, es klingelt. Wo hab’ ich’s denn jetzt schon wieder... | ||||||||||||||||||||||||
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