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10.07.2007 
Mangelnde Anlageberatung

Ungenutze Chancen

von Susanne Bergius

Wer zu einem Berater geht, um sich Anlagetipps für sein Geld zu holen, der wird in einem Bereich häufig enttäuscht: Oft wissen Mitarbeiter nicht, dass es Investmentprodukte gibt, die auf Aspekten wie ökologischer und sozialer Verträglichkeit basieren. Hier werden große Chancen vergeben.

BERLIN. Der Markt für nachhaltige, ökologisch und sozial orientierte Geldanlagen boomt. Die Mittelzuflüsse sprudeln seit Jahren um ein Vielfaches kräftiger als die für konventionelle Publikumsfonds, wobei spezialisierte Anbieter das Geschehen beherrschen. Aber auch immer mehr konventionelle Banken bieten entsprechende Investmentfonds an. Doch die Fonds haben meist magere Volumina. Der Grund: „Anders als die Produktentwickler ignorieren die meisten Vertriebsleute das Thema immer noch - wir halten die Kommunikations- und Vertriebsschwäche für das größte Hemmnis“, erläutert Ingo Schoenheit, Gesellschafter des Instituts für Markt-Umwelt-Gesellschaft (Imug) in Hannover.

Dadurch bleiben Chancen ungenutzt: „In unseren repräsentativen Markstudien identifizieren wir ein Potenzial von mindestens 25 Prozent der Anleger, die aus unterschiedlichen Motiven an ethisch-ökologisch-sozial orientierten Investmentfonds interessiert sind.“ Die Forscher haben sich in sauber vorbereiteten Mystery Shoppings in Banken zu nachhaltigen Fonds beraten lassen. „Das Ergebnis ist niederschmetternd“, resümiert Schoenheit. Die Berater großer deutscher Institute wissen nicht, dass es in ihrem Hause derartige Produkte gibt oder kennen deren Konzepte und Potenziale nicht.

So kommt es auch, dass deutsche Privatanleger wesentlich schlechter über nachhaltige Geldanlagen informiert sind und deutlich weniger Geld nachhaltig anlegen als Privatanleger im europäischen Ausland, wie eine aktuelle Umfrage der niederländischen ABN Amro ergab. Die ABN Amro, mit 20 Nachhaltigkeitsfonds einer der europäischen Marktführer, will ihr deutsches Engagement hier ausbauen. Auch andere ausländische Banken tun dies, darunter Dexia und Fortis.

Um auf dem Marktsegment kompetent und erfolgreich mitspielen zu können, müssten Banken bei ihren Anlage- und Finanzberatern Informationsdefizite beheben und Vorurteile hinsichtlich der finanziellen Performance überwinden, meint Schoenheit.

Einige Institute haben das erkannt. Die BHF Bank und Warburg Invest schulten ihren Vertrieb intensiv, die Nassauische Sparkasse informiert ihre Berater mit Unterlagen und Veranstaltungen. Und die Sparkasse Passau hat einen Nachhaltigkeitsexperten, der alle Berater regelmäßig zu nachhaltigen Geldanlagen auf dem Laufenden hält. Diese bieten sie Kunden gezielt an. Bei den meisten Sparkassen jedoch stoßen interessierte Kunden auf Unverständnis, wenn sie nach derartigen Anlagen fragen. „Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sollte das Thema viel stärker und strategisch besetzen und systematische Schulungen anbieten“, mahnt Renate Braun, Vorstandschefin der Sparkasse Passau. Der Verband aber tut sich damit schwer, wie zu hören ist. Veranstaltungen in der Deutschen Sparkassenakademie seien nur sporadisch.

Der private Vermögensverwaltungsarm der Deutschen Bank schulte seine Anlageexperten ebenfalls. Die „normalen“ Berater in den Bankfilialen hat das aber noch nicht erreicht. Und so dümpelt der schon vor fünf Jahren bei der DWS aufgelegte Nachhaltigkeitsfonds der größten deutschen Bank immer noch bei nur 13 Mill. Euro herum – „peanuts“ gegenüber den weit über hundert Milliarden Euro, die die DWS in Publikumsfonds verwaltet. Zum Vergleich: die belgisch-französische Großbank Dexia verwaltet in 22 Nachhaltigkeitsfonds 4 Mrd. Euro. Sie gehört zu denen, die in dem Marktsegment in Europa den Ton angeben.

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