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HANDELSBLATT, Montag, 26. November 2007, 16:37 Uhr
Nachhaltigkeitsprofile und Ranglisten

Wer wenig berichtet, bekommt schlechte Noten

Von Susanne Bergius

Ökologische, soziale und ethische Kriterien bilden den Grundstock für die Beurteilung von börsennotierten Unternehmen. Aus der Masse an Material erstellen die Analysten Nachhaltigkeitsprofile und Ranglisten. Die Untersuchungen bilden die Basis für Indizes, Investmentfonds, Zertifikate und Vermögensverwaltungen.


BERLIN. Wie erfahren Anleger sowie Nachhaltigkeitsindizes und -fonds, welche Unternehmen sozial und ökologisch verantwortlich und auch wirtschaftlich erfolgreich arbeiten? Ob die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter in Fabriken und bei Zulieferern annehmbar sind? Ob Unternehmen Emissionen und Ressourcenverbrauch senken und ökologisch vertretbare Produkte umweltschonend herstellen? Antworten geben Analystenteams, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisieren.

Vor Jahren führte die Branche noch ein Exotendasein, „heute ist sie international fest etabliert, weil die Nachfrage von Anlegern nach entsprechenden Informationen stetig wächst“, sagt Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart. Er untersuchte weltweit rund 70 Ratingagenturen sowie Researchabteilungen in Banken und bei Anbietern von Wertpapierindizes. Namhafte unabhängige Agenturen sind Imug in Hannover und Oekom Research in München. Scoris in Frankfurt gehört zur Triodos-Bank. Die Analysten beurteilen weltweit Tausende börsennotierte Unternehmen und Staaten anhand von bis zu 200 ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien. Sie nutzen einerseits Informationen der Unternehmen wie gedruckte Nachhaltigkeitsberichte oder Firmeninformationen im Internet. Sie senden den beobachteten Unternehmen umfangreiche Fragebögen und besuchen sie. Andererseits werten sie externe Quellen wie Datenbanken, das Internet, die Medien und wissenschaftliche Forschungsprojekte aus. Und sie nutzen Einschätzungen von Umwelt- oder Menschenrechtsgruppen. Aus dieser Flut von Material erstellen die Analysten Nachhaltigkeitsprofile und Ranglisten, „CR-Ratings“ genannt. CR steht für Corporate Responsibility, zu Deutsch unternehmerische Verantwortung

Die Agenturen haben ähnliche Prozesse. Da sie aber sehr verschiedene Gewichtungen und Kriterienkataloge verwenden, kommen sie zu teils großen Bewertungsunterschieden. Zudem verfeinern sie aufgrund neuer Erkenntnisse, gesellschaftlicher Bewertungen oder Anfragen von Kunden ihre Methoden. Ein aktueller Trend ist beispielsweise, die Zahl der Bewertungskriterien zu verringern, Kernkriterien stärker zu gewichten und die Anforderungen zu erhöhen. Diese Änderungen erschweren den Vergleich der Ratingagenturen untereinander. Selbst die Ratingergebnisse ein und derselben Agentur aus verschiedenen Jahren sind oft nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Unerlässliche Informationsquelle


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