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18.09.2007 
Nachhaltigkeitsindizes

Messlatten für Anlagen mit Moral

von Petra Hoffknecht

Nachhaltigkeitsindizes bieten zusätzliche Orientierung bei der Auswahl und Bewertung von Geldanlagen. Für die Unternehmen sind sie außerdem ein Gütesiegel. Dabei sollten sich Anleger die Auswahlmethode der Aktien genau anschauen: Da Nachhaltigkeit ein dehnbarer Begriff ist, gibt es auch Trittbrettfahrer.

FRANKFURT. In einem nachhaltig bewirtschafteten Wald werden nur so viele Bäume gefällt wie nachwachsen, lehrt die Forstwirtschaft. Dies schont nicht nur Natur und Umwelt, sondern ermöglicht auch kommenden Generationen, den Wald zu nutzen. Übertragen auf die Kapitalmärkte bedeutet nachhaltiges Investieren für Anleger, ihr Geld sozial und ökologisch verantwortungsbewussten Unternehmen anzuvertrauen. Dabei steht neben der Rendite auch die gesellschaftliche Verantwortung der Geldanlage im Vordergrund.

Allerdings ist Nachhaltigkeit ein dehnbarer Begriff, der von verschiedenen Anbietern unterschiedlich ausgelegt wird. Als Orientierungshilfe und Wegweiser für Anleger, die über Aktien, Fonds oder Zertifikate Geld nachhaltig investieren wollen, bieten sich daher so genannte Nachhaltigkeitsindizes an. Die bekanntesten sind der Dow Jones Sustainability Index (DJSI), der FTSE4Good, der Domini 400 Social Index und der Natur-Aktienindex (NAI).

Diese Indizes zeigen den Anlegern auf einen Blick, wie sich der Markt für nachhaltige Geldanlagen entwickelt. Denn vereinfacht gesagt ist solch ein Index nichts anderes als die Zusammenstellung von Aktien derjenigen Unternehmen, die nach Meinung des Indexanbieters nachhaltig wirtschaften. Solch eine Vorauswahl nachhaltiger Unternehmen gibt es in globalen Indizes sowie in regionalen oder nationalen Unterindizes. Daneben gibt es Nachhaltigkeitsindizes, die die Kursentwicklung von Unternehmen zu bestimmten Themen wie beispielsweise Klimaschutz oder Umwelttechnologie zusammenfassen.

Die Idee zum nachhaltigen Investieren ist nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert beschlossen religiöse Gruppen aus den USA, nicht in Betriebe zu investieren, in denen Sklaven arbeiteten. Die Kritik am Vietnamkrieg veranlasste in den 70er-Jahren einige Anleger dazu, nicht mehr in Rüstungshersteller zu investieren. Seit den 80er-Jahren gewann der Umweltgedanke an Bedeutung. Um einen Nachhaltigkeitsindex beurteilen zu können, müssen Anleger sich genau anschauen, nach welchen Kriterien der Indexanbieter die Aktien für sein Börsenbarometer auswählt: Manche konzentrieren sich auf die jeweils Besten einer jeden Branche, andere beschränken sich bei der Aktienauswahl auf wenige, ihnen angemessen erscheinende Branchen und schließen andere Bereiche von vornherein aus, und wieder andere setzen auf ökologische Vorreiter.

Weltweit tonangebend ist der Nachhaltigkeitsindex Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Der älteste Nachhaltigkeitsindex ist der Domini 400 Social Index von KLD Research & Analytics aus Boston. 250 der 400 Titel für den Domini Social stammen aus dem amerikanischen S&P 500-Index. Dabei werden Unternehmen, die ihr Geld mit Alkohol, Glücksspiel, Kernenergie oder Rüstung verdienen, ausgeschlossen. Die übrigen Titel werden außerhalb des S&P 500 gesucht, dabei kommen 50 Unternehmen wegen ihres besonderen gesellschaftlichen Engagements in den Index. Der Domini Social eignet sich besonders für nachhaltige amerikanische Investments.

In Europa wesentlich bekannter ist der Nachhaltigkeitsindex von Dow Jones, der Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Für ihn wählt der Schweizer Spezialist für nachhaltige Geldanlagen Sustainable Asset Management (SAM) seit 1999 die besten zehn Prozent der 2 500 weltgrößten Unternehmen des Dow Jones World Index nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Kriterien aus. Dabei werden die Spitzenreiter aller Branchen berücksichtigt. Durch dieses so genannte Klassenbesten-Prinzip (engl. best-in-class) sollen nicht in den Index aufgenommene Unternehmen einen Anreiz bekommen, nachhaltiger zu wirtschaften und sich ökonomisch, ökologisch und sozial zu verbessern. Vom DJSI gibt es mittlerweile zahlreiche nationale und regionale Subindizes. Insgesamt sind nach SAM-Angaben 4 Mrd. Euro in der DJSI-Familie angelegt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Strenge Indizes schließen auch Tabakproduzenten aus

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