Viel Glas und wenig Energieffizienz: So sieht es aus, das Modell des Uno-Neubaus in Genf. Bild: Architekturbüro Behnisch
Auch Lampen werden bei der Wipo künftig an einigen Stellen den ganzen Tag lang brennen. Der Grund: Mit spiegelnden Außenjalousien und anderen Tricks ließe sich der sogenannte Tageslichtfaktor deutlich verbessern, worauf der sparsame Bauherr aber verzichtete. „Dabei rechnet sich heute jede Investition in Nachhaltigkeit“, sagt Behnisch.
Sein Finger kreist weiter und bleibt bei den Parkplätzen stehen: 250 Plätze für ein Gebäude, in dem nur 500 Menschen arbeiten werden, bezeichnet der Architekt als „großzügig“, zumal Genf unter dem Verkehrsinfarkt leide und die Anbindung ans öffentlich Transportnetz gut sei.
Behnischs Berechnungen gipfeln in jener Zahl, mit der sich die Energieeffizienz eines Gebäudes berechnen lässt: Dazu werden die verbrauchten Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr gemessen. Ambitionierte Bauherren wie der Konsumgüterkonzern Unilever, für den Behnisch etwa die neue Deutschland-Zentrale im Hamburger Hafenviertel baut, geben einen Wert von 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr als Zielgröße vor. Die Uno dürfte nach Schätzung des Architekten deutlich darüber liegen.
Natürlich habe sein Büro mit den Genfer Bauherren verhandelt. Nur: Sonderlich erfolgreich waren die Architekten nicht. „Die Uno“, klagt Behnisch, „glaubt, sie selbst bewege sich in einem luftleeren Raum.“ Für alles an dem Bau gebe es „Beauftragte“ – beim Thema Nachhaltigkeit hat Behnisch in Genf aber bis heute niemanden gefunden, der zuständig ist.
Der 50-Jährige weiß, worüber er spricht. Nachhaltige Architektur ist eine seiner Spezialitäten. Er, der in die großen Fußstapfen seines Vaters Günter Behnisch trat – der etwa das berühmte Olympiagelände von 1972 in München baute –, hat es selbst zum Stararchitekten gebracht. Weltweit gewinnt sein Stuttgarter Büro, das Ableger in Boston und Los Angeles hat, einen Auftrag nach dem anderen. Der Umbau der Handelskammer in Hamburg, neue Laborgebäude für den Campus der Harvard-Universität, die Zentrale der Biotechnologie-Firma Genzyme in Cambridge – überall hat Behnisch aufsehenerregenden Neubauten seinen Stempel aufgedrückt. Und stets macht er sich für energieeffiziente Gebäude stark. „Nachhaltigkeit ist Teil unserer Architektur“, sagt Stefan Behnisch.
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