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20.02.2008 

Sollte eine juristische Prüfung ergeben, dass eine derartige Transparenzpflicht bestehe, werde man ihr künftig entsprechen, sagte ein BMW -Sprecher auf Anfrage. Andere Experten widersprechen der Schlussfolgerung des neuen Gutachtens. "Die verbindliche Aufnahme eines speziellen Indikators ist rechtlich schwer herzuleiten", sagt Dieter Horst von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC). "Der Gesetzgeber hat den Unternehmen bewusst Freiräume gesetzt, damit sie selbst entscheiden können, welche Information sie - begründetermaßen - als wesentlich ansehen." Die deutschen Lageberichte werden durch Abschlussprüfer geprüft und dabei auch ihre Rechtmäßigkeit im Hinblick auf die zutreffende Darstellung von Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung beurteilt.

Eine Analyse der 2007 veröffentlichten Lageberichte von sieben europäischen Autoherstellern ergab: "Nur die französischen Autobauer berichten in einigem Umfang über Chancen und Risiken aufgrund künftiger Flottenverbrauchsbeschränkungen oder Risiken für verbrauchsstarke Modelle", resümiert Studienautor und Nachhaltigkeitsexperte Axel Hesse. Wenige thematisierten den Einfluss weiterer Ölpreissteigerungen auf Verkauf und Nachfrage. Deutsche berichteten aus seiner Sicht am schlechtesten. Die Pflichten beinhalten nach Ansicht Verheyens auch, eine Prognose der Klimarisiken für die Geschäftstätigkeit über zwei Geschäftsjahre hinaus abzugeben und möglichst zu quantifizieren. "Eine Quantifizierung der mittelfristigen Risiken findet in der gesamten europäischen Branche nicht statt", sagt Verheyen. PwC-Experte Dieter Horst aber entgegnet: "Längerfristige Prognosen sind häufig zu komplex, denn im Regelfall wären mehrere Szenarien nötig, und diese müssten umfassend erläutert werden. Das würde wahrscheinlich den Rahmen der gebotenen ausgewogenen Lageberichterstattung übersteigen."

Selbst wenn sich Fachleute noch uneins über die Rechtslage sind, wird die Autobranche die Forderungen institutioneller Investoren kaum ignorieren können. Der Flottenverbrauch sei das Schlüsselkriterium, urteilten sieben Analysten großer Banken und Investoren Anfang 2007 bei einer Umfrage für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und das Bundesumweltministerium. Inzwischen sind weit mehr dieser Ansicht. "Der reale Flottenverbrauch pro Hersteller ist entscheidend, um Kosten- und Gewinnsituation hinsichtlich der EU-Emissionsregeln berechnen zu können", erläutert Maria Bissinger, Analystin bei der Ratingagentur Standard & Poor?s.

Große Bedeutung hat der Indikator auch für die 315 institutionellen Investoren des Carbon Disclosure Projects (CDP), die 41 Bill. Dollar verwalten und von Konzernen mehr Transparenz zu Klimarisiken fordern. Für sie ermittelte Alexander Bassen, Professor an der Universität Hamburg, 2007 näherungsweise den Flottenverbrauch der verkauften Fahrzeuge deutscher Autobauer - genaue Daten und Verkaufszahlen für Modelle gebe es ja nicht, wie er kritisiert.

Hochgerechnet auf ihre Lebensdauer sollte erkannt werden, für welche Emissionen die Hersteller verantwortlich sind, sagte Bassen dem Handelsblatt. BMW und VW sind demnach zusammen für mehr Emissionen verantwortlich als der größte deutsche Energieversorger.


Forderungskatalog

Neue Kriterien

Am 11. März wird die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse & Asset Management (DVFA) die von ihr geforderten Kriterien an Nachhaltigkeits-Berichterstattung und -Management börsennotierter Firmen veröffentlichen. Die DVFA ist der Berufsverband der Finanzanalysten. Sie hat die Kriterien von einer 30-köpfigen Expertengruppe aus Wirtschaft, Finanzwelt, Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen erarbeiten und von 220 internationalen Finanzinstituten beurteilen lassen.

Kern der Forderungen

Unternehmen müssen dem Katalog zufolge ihr Nachhaltigkeits-Reporting systematisieren und für zuverlässige Daten sorgen. Das Reporting müsse die wesentlichen Leistungsindikatoren für Nachhaltigkeit enthalten, und es müsse nachvollziehbar, vollständig, kontinuierlich und aktuell sein, sagte DVFA -Geschäftsführer Ralf Frank dem Handelsblatt.

Nachhaltigkeit messen

Leistungsindikatoren zu Umwelt, Sozialem und Governance sind messbar und sollen die Firmen vergleichbar machen. Sie betreffen zum Beispiel Umweltverträglichkeit, Nutzung erneuerbarer Energiequellen, Gesundheit und Sicherheit von Produkten, Fehlquoten bei Mitarbeitern, Belegschaftsänderungen infolge von Umstrukturierungen oder Korruption. Die meisten dieser Indikatoren bilden Risiken ab, denn für Investoren spielen diese eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Firmen. Es gibt auch Kriterien für Kundenzufriedenheit oder Umsatzanteil neuer Produkte.

Grundlage für Berichte

Die Leistungsindikatoren dienen für Geschäfts-, Lage- und Nachhaltigkeitsberichte hierzulande, aber auch in Europa. Indem "Mainstream"-Investoren sie akzeptieren, sollen zentrale Nachhaltigkeitskriterien Einzug in die konventionelle Aktienanalyse und Firmenbewertung halten.

Pflicht für Analysten

Unternehmen wissen oft nicht, was sie im Bereich Nachhaltigkeit berichten sollen, und Finanzanalysten haben ökologische und soziale Aspekte meist nicht auf dem Radar, weil sie zu wenig über deren finanzielle Bedeutung wissen. Ihre Missachtung stellt aber oft einen Bruch der rechtlichen Pflichten institutioneller Investoren dar, wie eine Studie der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer schon vor einiger Zeit ergab.

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