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HANDELSBLATT, Freitag, 14. März 2008, 10:24 Uhr
Postinetts Teststrecke

Klangwunder

Von von Axel Postinett

Es muss nicht immer nur ein iPod sein. Der koreanische Hersteller Cowon hat mit dem iAudio U5 einen digitalen MP3-Spieler auf den Markt gebracht, der Linux unterstützt und nebenbei als Radio und einfaches Diktiergerät dient. Das Design erinnert an die frühere iPod-Nano-Baureihe von Apple. Ein Narr, wer da an einen Zufall denkt.


Doch Apple ist im Design längst weitermarschiert, und so haftet dem iAudio ein wenig das Flair des Gestrigen an. Technologisch allerdings ist das Gerät auf dem neuesten Stand. Die Entwickler haben sich dabei auf das Wesentliche konzentriert: die Musik. Videos oder Fotos lassen sich mit dem U5 nicht wiedergeben.

Warum auch. Dafür sorgt der eingebaute 64-Milliwatt-Verstärker für einen kraftvollen Sound. Der Klang des Testgeräts war ausgeglichen und in den Höhen und Bässen sehr sauber. Der Fünf-Band-Equalizer mit acht Voreinstellungen erlaubt dem Hörer zudem eine individuelle Anpassung. Der Spieler lässt sich intuitiv über wenige Tasten bedienen und bietet Zusatzfunktionen wie zeitgesteuertes Aufzeichnen vom Radio oder einen Wecker. Audioaufnahmen wandelt das Gerät immer ins WMA-Format um – wobei der Anwender jeweils zwischen 64 und 128 Bits pro Sekunde auswählen kann.

Mit dem Flunder-Design und nur 35 Gramm Gewicht passt der U5 in praktisch jede Hosentasche. Das 1,8 Zoll große Display beherrscht 65 000 Farben, aber eigentlich fragt man sich, wofür. Um ID3-Tags (standardisiertes Format für Informationen zu Dateien, Interpreten und Musikstücken) anzuzeigen, ist das nicht nötig. Das Gehäuse aus Kunststoff machte einen sehr stabilen, aber nicht sonderlich hochwertigen Eindruck.

Apple
Chart: Apple
Analystenmeinung

Der Hersteller liefert dazu das einfache, aber mehr als ausreichende Cowon Media Center mit, das auch als Jetaudio bekannt ist. Damit lassen sich Musikdateien auf den Spieler laden und CDs brennen. Wer einen alten Rechner mit Windows 98 wiederbeleben will, wird ebenfalls glücklich: Im Gegensatz zu iTunes unterstützt Cowon dieses System noch, ebenso wie das Betriebssystem Linux. Für Dateien in dem populären Open-Source-Musikformat OGG gibt es ein Software-Update im Internet.

Witzig ist eine weitere Funktion: Wer Songtexte nach Karaoke-Art mitsingen will, kann sie mit einem leider umständlich zu bedienenden und schlecht dokumentierten Software-Tool so umwandeln, dass der Text zeitgerecht mitläuft. Im Prinzip ist das sehr schön, aber leider ziemlich nervtötend und es funktioniert nur auf dem PC. Auf dem Display des U5 erscheinen keine Texte. Ehrlich gesagt: das ist so wie früher in der MP3-Steinzeit.

Fazit: Der U5 hat einen hervorragenden Klang, da kann Apple ruhig einmal mithören. Die Software weist aber Schwächen auf. Das Gerät ist daher eher für Klang-Puristen und Linux-Fans geeignet. Mit einem Preis von knapp 120 Euro für das Modell mit 4 Gigabyte Speicher – ohne Netzteil – ist der Cowon nur schlappe 20 Euro günstiger als ein videofähiger iPod Nano der jüngsten Generation. Das reicht wohl nicht aus, um im Markt mitschwimmen zu können. Eine Alternative ist beispielsweise der 4-Gigabyte-Zen des Herstellers Creative zu einem ähnlichen Preis – und mit einer Videofunktion.


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