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30.09.2007 
Nachhaltigkeitsberichte nach „GRI“

Mehr Klarheit und Qualität für Investoren

von Susanne Bergius

Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen werden Analysten und Investoren künftig mehr Qualität und Klarheit bieten und Firmenvergleiche erleichtern. Dafür sollen die neuen internationalen Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI) sorgen. Teils vereinfachen sie die Berichterstattung über wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte, teils fordern sie von Unternehmen mehr Informationen.

Unternehmen wollen ein gutes Image haben und immer mehr veröffentlichen darum Nachhaltigkeitsberichte. Deren Flut ist geprägt von zahlreichen guten Taten. Aber die haben meist nichts mit dem Kerngeschäft zu tun und Leistungen sind mit denen anderer Firmen nicht vergleichbar. Doch Berichte ohne strategischen Inhalt und anerkannte Kennziffern sind pure PR, der Glaubwürdigkeit fehlt. Das erkennen immer mehr Unternehmen und orientieren sich darum an den internationalen Leitlinien der vor zehn Jahren gegründeten Global Reporting Initiative (GRI). Leitlinien für Nachhaltigkeitsberichte, die Abhilfe vom Wust hausgemacht Kriterienkatalogen schaffen sollen.

Die ‚GRI Guidelines’ wurden gemeinsam von hunderten Firmen, Ratingagenturen, Investoren, Wirtschaftsprüfern, Gewerkschaften, Wissenschaftlern und Nicht-Regierungsorganisationen entwickelt und haben sich daher international als Standard der nachhaltigen Berichterstattung etabliert. Seit Oktober 2006 gibt es die dritte Generation, die inzwischen auch in deutscher Sprache erhältlich ist.

Weltweit nutzen rund 1 100 Unternehmen, Verbände und Organisationen aus fast 70 Ländern die Vorgaben. In Deutschland orientieren sich 48 Börsenfirmen und GmbHs daran, meist fast vollständig. Komplett nach GRI berichten Axel Springer Verlag, BMW, Daimler-Chrysler, E.on. Otto, Puma und WestLB.

BMW und Puma verpflichten Zulieferer, auf Kinderarbeit zu verzichten und hohe Umweltstandards einzuhalten. Axel Springer engagiert sich mit den skandinavischen Papierherstellern UPM und Stora Enzo sowie Nichtregierungsorganisationen für eine nachhaltige, mit dem internationalen Label „FSC“ zertifizierte Waldbewirtschaftung in Russland. Es wird eine lückenlose Kontrolle der Wertschöpfungskette vom Wald bis zum Papier auch zu Arbeitsunfällen und Korruption aufgebaut.

Dass auch kleine Betriebe und Mittelständler eine Berichterstattung nach GRI leisten können, zeigt unter anderem die österreichische Toni’s Handels GmbH. „Unsere Vision ist, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung selbstverständlicher Standard wird und eine Vergleichbarkeit wie die Finanzberichterstattung erreicht“, sagt GRI-Geschäftsführer Ralph Thurm. Inzwischen halten sich nach einer aktuellen GRI-Recherche bereits 43 der hundert Top-Marken der Welt an GRI, darunter die Top-5: Coca-Cola, Microsoft, IBM, General Electric und Nokia.

Die Bedeutung des Reportings dient inzwischen aber nicht mehr nur der Transparenz, sondern wird von vielen Firmen als ein Treiber für nachhaltiges Wirtschaften erlebt. Nachhaltigkeitsberichte ohne sinnvolle Nachhaltigkeitsstrategie und –management haben keine Aussagekraft, so die Erfahrung von Managern. Die aktuellen GRI-Leitlinien der dritten Generation „G3“ verlangen daher nicht das Abarbeiten von Indikatoren, sondern eine strategische Ausrichtung. Unternehmen sollen künftig erst klären, welche Aspekte für Interessengruppen wie Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer und Gesellschaft „relevant“ sind. Dann sollen sie – für Außenstehende transparent – entscheiden, welche davon für das Firmengeschäft „wesentlich“ sind. Diesen sollen sie sich ausführlich widmen. Mit managementbezogenen qualitativen Aussagen und einem Datenteil mit mehrjährigen Trends und Erläuterungen. Neu ist die Trennung zwischen „harten“ und „weichen“ Aussagen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele Unternehmen betrachten die Leitlinien als Bürde.

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