0 Bewertungen
05.12.2007 
Geschäftspolitik

Allianz hat neues Klimakonzept

von Susanne Bergius

Immer mehr Finanzinstitute behaupten, ganz oder teilweise klimaneutral zu arbeiten oder dies anzustreben. Was vielversprechend klingt, betrifft aber nur einen winzigen Teil der Aktivitäten etwa von Swiss Re, KfW Bankengruppe und HSBC: die hausgemachten Emissionen. Der Allianz geht das nicht weit genug. Wie der Finanzkonzern die Folgen der eigenen Geschäftspolitik bewertet.

BERLIN. Die Finanzbranche finanziert und versichert die Wirtschaft und ist daher indirekt mitverantwortlich für einen großen Teil der Treibhausgasemissionen. Doch wie groß ist dieser „CO2-Fußabdruck“? Um das herausfinden und ihre Klima- und Produktstrategie danach ausrichten, startete die Allianz eine dreijährige Kooperation mit der Umweltschutzorganisation WWF International, in die sie fünf Millionen Euro steckt. Die schwierigste Aufgabe ist dabei, eine zuverlässige, anerkannte Methode zu entwickeln, um die indirekten Klimaeffekte, die ein Finanzkonzern mit seiner Geschäftspolitik auslöst, zu messen.

„Weil die Allianz Kreditgeber, Versicherer und Vermögensverwalter ist, bietet sich die einmalige Gelegenheit, für alle Felder Messmethoden und Lösungen zu finden“, sagte James P. Leape, Generaldirektor des WWF International, dem Handelsblatt. „Die Erkenntnisse sollen zum Innovationstreiber für unsere Produkte und Dienstleistungen in allen Bereichen werden“, erläuterte Allianz-Vorstand Joachim Faber. Der Konzern will dadurch zum internationalen Branchenvorreiter werden. Es ergebe sich ein Wettbewerbsvorteil, wenn das Institut früher als Konkurrenten seine Risiken umfassend senke sowie Entwicklung und Verbreitung von Technologien und Diensten zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel gezielt fördere. Eine denkbare, aber offiziell noch nicht genannte Konsequenz könnte sein, dass Versicherungen und Kredite für stark emittierende Industrien teurer werden.

Wann tatsächlich messbare Ziele formuliert und konkrete Maßnahmen ergriffen werden, ist noch unklar – erst müssen die Forschungsergebnisse vorliegen. Ziel der Partnerschaft ist auch, die gesamte Branche in Bewegung zu bringen. 2007 habe sich zwar beim Wissen um den Klimawandel viel getan. „Doch in der Breite wird das Phänomen noch nicht verstanden“, sagt Faber. Das bestätigt eine aktuelle Studie von Germanwatch, einer Organisation, die sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Die Finanzwirtschaft, so heißt es dort, hält die systematische Beachtung von Klimarisiken und -chancen zwar für erforderlich. Doch sei ihr unklar, wie sie das operativ bei Investitionsentscheidungen und Produkten umsetzen könne.

„Wir hoffen, Werkzeuge zu entwickeln, die die Klimapolitik der gesamten Finanzbranche verändern können“, sagt Leape. „Die Geschäftsmodelle müssen an die Notwendigkeit und Anforderungen einer emissionsarmen Wirtschaftsweise angepasst werden“, erläutert Faber. Der Vorstandschef von Allianz Global Investors, der Anlagesparte des Konzerns, will den Anstoß für branchenweit akzeptierte Investitionsleitlinien geben.

In eine ähnliche Richtung arbeitet die Münchener Rück. Sie integriert Klimaaspekte systematisch in die Aktienanalyse und beachtet sie bei neuen Anlagen. Der Konzern will bis 2012 klimaneutral arbeiten, ermittelt aber laut eigenen Angaben, anders als die Allianz, nicht die indirekten Emissionen seiner Geschäfte. Germanwatch widmet sich Verfahren und Instrumenten zur Integration von Klimafaktoren in die Vermögensverwaltung. Gemeinsam entwickeln sie Versicherungen gegen klimabedingte Schäden in Entwicklungsländern. Der Rückversicherer erforscht seit 30 Jahren Klimarisiken, um sie bei Tarifgestaltung und Produkten zu berücksichtigen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Warum arbeiten die beiden Münchener Versicherer nicht zusammen?

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • In der Heimat der Exoten

    In der Heimat der Exoten

    Exotik ist angesagt bei der British Motor Show in London - zumindest, wenn es um Modelle aus dem Gastgeberland geht. Doch auch Branchengrößen wie Opel nutzen die Londoner Bühne für mitunter exotisch anmutende Auftritte. Ein Querschnitt durch das Showprogramm.Bildergalerie 

  • Premiere vor der Tower Br...

    Premiere vor der Tower Bridge

    Spektakuläre Premiere für den Opel Insignia: Vor dem Hintergrund der ehrwürdigen Tower Bridge schwebte Opels neuer Hoffnungsträger aus 50 Meter Höhe ein. Auf dem so eindrucksvoll eingeführten Mittelklassemodell ruhen hohe Erwartungen - zu hohe, wie manche Experten mein...Bildergalerie 

  • Die Zweijährigen mit dem ...

    Die Zweijährigen mit dem höchsten Potenzial

    Die Auto-Bewertungsexperten von Schwacke haben sich aktuell zwei Jahre alte Fahrzeuge vorgenommen und diese hinsichtlich Wertverlust und Restwertpotenzial in elf Fahrzeugklassen beurteilt. Unsere Übersicht zeigt die 33 Bestplatzierten.Bildergalerie 

  • Die Firmenautos des Jahre

    Die Firmenautos des Jahres

    Autos, die sich in großen Fuhrparks durchsetzen, erfüllen besondere Voraussetzungen in puncto Unterhaltskosten, Restwert und Verschleiß. Damit sind sie auch für private (Gebrauchtwagen-) Käufer interessant. Jetzt haben 150 Fuhrparkmanager aus 120 Modellen ihre Favorite...Bildergalerie