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30.12.2007 
Emissionsberechtigungen

Klimasünder müssen zahlen

von Jürgen Flauger

Eine Umweltsünde fällt bisher kaum ins Gewicht. Die Zertifikate, die zur Emission des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid berechtigen, waren in den vergangenen Monaten zu Tiefstpreisen zu haben. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Künftig müssen Unternehmen für die Belastung des Klimas tiefer in die Tasche greifen.

In der zweiten Runde bekommen Europas Unternehmen die Emissionszertifikate nicht wieder kostenlos.

In der zweiten Runde bekommen Europas Unternehmen die Emissionszertifikate nicht wieder kostenlos.

DÜSSELDORF. Im Schnitt kostete die Lizenz am Spotmarkt der Leipziger Energiebörse EEX gerade einmal zwei Cent je Tonne. Für die jetzt auslaufende erste Handelsperiode wurden die Emissionsberechtigungen eben allzu üppig ausgegeben.

Damit soll nun Schluss sein: Für die neue Periode, die bis 2012 dauern wird, bekommen die teilnehmenden Unternehmen von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) ein deutlich geringeres Volumen zugebilligt. Und tatsächlich hat die Belastung des Klimas inzwischen einen spürbaren Preis: Am Terminmarkt kletterten die Notierungen zuletzt deutlich über die 20-Euro-Marke. Speziell auf die Energiekonzerne kommen damit substanzielle Kosten zu.

Seit 2005 wird in der EU mit Emissionsrechten gehandelt. Rund 12 000 Anlagen, Kraftwerke und energieintensive Industriebetriebe wie chemische Fabriken, Zement- und Papierwerke müssen für jede Tonne CO2, die sie ausstoßen, eine Berechtigung vorweisen. Zu Beginn jeder Periode werden den Unternehmen von den Mitgliedstaaten Zertifikate zugebilligt. Wer wie viel bekommt, regeln die aufwendig ausgetüftelten nationalen Allokationspläne, welche die EU-Kommission absegnen muss. Kommt der Betreiber nicht aus, muss er sich zusätzliche Berechtigungen von den Teilnehmern besorgen, für die es sich rechnet, auf welche zu verzichten. Auf diese Weise will die EU ihr im Kyoto-Protokoll zugesagtes Ziel erreichen, die CO2-Emissionen bis 2012 – verglichen mit dem Basisjahr 1990 – um acht Prozent zu drücken.

Die erste Periode war als Testphase gedacht – und entsprechend schwer fiel es den Unternehmen, sich an den Markt heranzutasten. Zunächst kletterte der Preis bis auf den Höchststand von 30 Euro. Als sich im Frühjahr 2006 aber herausstellte, dass Zertifikate für rund 120 Millionen Tonnen mehr auf dem Markt waren, als die Unternehmen benötigten – insbesondere Frankreich hatte seine Unternehmen übermäßig ausgestattet–, brachen die Notierungen schlagartig ein.

Jetzt soll es ernst werden mit dem Klimaschutz. Der Emissionsrechtehandel soll wirkliche Anreize bieten, den CO2-Ausstoß nachhaltig zu senken. Deshalb stehen nur noch Berechtigungen für knapp 1,9 Milliarden Tonnen zur Verfügung, das sind etwa sechs Prozent weniger, als die Unternehmen 2006 an CO2 produzierten. Die teilnehmenden Unternehmen müssen entweder ihren Verbrauch durch Modernisierungen – etwa den Bau effizienterer Kraftwerke – reduzieren, oder sie können sich anders als in der ersten Phase Gutschriften durch Klimaschutzmaßnahmen in Drittländern außerhalb der EU besorgen.

Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2012 die Emissionen um 21 Prozent zu reduzieren, erreicht hat es bislang erst 18 Prozentpunkte. Deshalb bekommen die 1 800 Anlagenbetreiber rund sieben Prozent weniger Zertifikate zugeteilt: Sie reichen für den Ausstoß von 453 Millionen Tonnen. Knapp zehn Prozent davon wird die Bundesregierung nicht wie in der ersten Periode kostenlos zuteilen, sondern zum Marktpreis verkaufen – spätestens ab 2010 sollen sie sogar versteigert werden. Diese Zertifikate werden allein den Energiekonzernen entzogen. Ihr Budget wird so überproportional – um rund 17 Prozent – verringert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Bundesregierung versucht, ein Schieflage aus der ersten Phase zu beheben.

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