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HANDELSBLATT, Montag, 17. März 2008, 09:16 Uhr
Kohlendioxid-Ausstoß

Mehr CO2 aus Asien

Von Tinka Wolf

Chinas Wirtschaft wächst rapide, und mit ihr die Menge des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2), die das drittgrößte und bevölkerungsreichste Land der Erde produziert. Bereits im vergangenen Jahr hat die Volksrepublik die USA als größten CO2-Produzenten abgelöst - Tendenz steigend.



Zwischen den chinesischen Provinzen gibt es große Unterschiede in der ökonomischen Entwicklung und der Bevölkerungsdichte, was sich auf den Energieverbrauch auswirkt. Foto: dpa
Bild vergrößernZwischen den chinesischen Provinzen gibt es große Unterschiede in der ökonomischen Entwicklung und der Bevölkerungsdichte, was sich auf den Energieverbrauch auswirkt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Nach bisherigen Einschätzungen des Weltklimarates IPCC wird die CO2-Emission Chinas pro Jahr um 2,5 bis 5 Prozent wachsen.

Forscher der Universitäten in Berkeley und San Diego halten diese Schätzung für „viel zu optimistisch“. Sie haben eine neue Analyse erstellt und glauben, dass der CO2-Ausstoß in China bis zum Jahr 2010 um jährlich mindestens elf Prozent wachsen dürfte. Das hätte enorme Auswirkungen auf die Versuche der Staaten des Kyoto-Protokolls, den CO2-Ausstoß weltweit zu senken.

Stimmt die Kalkulation der Wirtschaftswissenschaftler, wäre schon die jährliche Zunahme an CO2-Emissionen in China größer als der gesamte jährliche Ausstoß von Deutschland oder Großbritannien. Die Einsparung von 116 Millionen Tonnen CO2, die die Industriestaaten im Kyoto-Protokoll anstreben, würde durch zusätzliche 600 Millionen Tonnen des Treibhausgases zunichte gemacht werden.

Maximilian Auffhammer und Richard Carson stützen ihre neue Studie auf Daten aus den verschiedenen Provinzen Chinas. Frühere Analysen hatten sich auf Daten der gesamten Volksrepublik bezogen. Genau das jedoch, glauben die beiden Ökonomen, könnte die alten Studien verfälscht haben. Denn das steigende Pro-Kopf-Einkommen und der zunehmende Wohlstand in China sind ungleichmäßig verteilt.

„China wurde immer als ein einziges, großes Land betrachtet, dabei ist jede seiner Provinzen größer als so mancher europäische Staat“, sagt Carson. „Zwischen den Provinzen gibt es große Unterschiede in der ökonomischen Entwicklung und der Bevölkerungsdichte, und das hat einen Effekt auf den Energieverbrauch.“

Außerdem monieren die Forscher den Gebrauch veralteter Daten aus den neunziger Jahren in früheren Kalkulationen. Rund um das Jahr 2000, so Carson, hätten sich in China die Verhältnisse verschoben: Der Energieverbrauch steige mittlerweile schneller als das Einkommen der Menschen. Und ein großer Teil der verbrauchten Energie werde nicht effizient genutzt.

Hinzu kommt, dass in den ärmeren Provinzen in der Regel veraltete Kraftwerke mit 50er-Jahre-Technologie gebaut werden, weil moderne Kraftwerke zwar auf lange Sicht Geld sparen, in der Anschaffung jedoch zu teuer sind. „Das Problem ist, dass Kraftwerke auf eine Betriebsdauer von mindestens 40 bis 75 Jahren ausgelegt werden“, sagt Carson. „Unsere Vorhersage berücksichtigt die Tatsache, dass weite Teile von China erst einmal auf dreckigen, ineffizienten Kraftwerken sitzenbleiben.“


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