Der Klimawandel wird in vielen Staaten politisch längst nicht so ernst genommen wie in Deutschland und von der EU-Kommission. Das zeigt auch der aktuelle Klimareport International der Konrad-Adenauer-Stiftung. Entwicklungs- und Schwellenländer sind demnach besonders stark vom Klimawandel betroffen. Doch Armut, Gewalt und Kriege überlagern dort die Sorge um die Erderwärmung. In Mittel- und Osteuropa stehen außerdem andere Ökothemen auf der Tagesordnung, die enorme Luftverschmutzung durch schwefelhaltige Abgase etwa oder die hohe Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr.
Die Streitpunkte sind alt, die Positionen bisher unvereinbar – die Klimakonferenz im afrikanischen Nairobi blieb deshalb 2006 ohne Ergebnis. Umstritten ist vor allem die Lastenverteilung zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern. Inzwischen machte die EU einen ersten großen Schritt voran. Im Frühjahr vereinbarte sie, den Schadstoffausstoß bis 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Gehen andere Staaten ähnliche Verpflichtungen ein, sollen es sogar 30 Prozent werden.
Schwellenländer wie China und Indien müssten nun nachziehen: Die prosperierende Volksrepublik wird voraussichtlich 2008 die USA als Nummer eins der Klimaschädiger ablösen. Aber die Chinesen wollen zunächst Aktionen der USAsehen: Washington lehnt das Kyoto-Protokoll bislang ab.
Andererseits war die weltweite Aufmerksamkeit für den Klimawandel noch nie so groß. Niemand weiß, wie lange diese Alarmstimmung – einige Delegierte sprechen von „Hysterie“ – noch anhält. Einigkeit besteht darin, dass dieses „besondere Momentum“ von Bali genutzt werden sollte, um internationale Kompromisse zu erzielen. Ein Anzeichen für die positive Ausgangslage war die erste Amtshandlung von Kevin Rudd, des neuen Regierungschefs von Australien: die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls.
Das ist Wasser auf den Mühlen von Umweltminister Gabriel. Wenn er auf Bali seine Forderungen vorträgt, kann er stolz auf nationale Errungenschaften verweisen. Gerade hat das Kabinett ein erstes Klimapaket beschlossen. Auch über seine persönliche Klimabilanz muss er sich keine Sorgen machen. Denn die nächste Klimakonferenz findet im polnischen Posen statt. Mit dem umweltfreundlichen Berlin-Warschau-Express kann Gabriel in drei Stunden da sein.
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