Doch um solche Details kann man sich auf Bali nicht mehr kümmern. Zum Schluss liegt der entscheidende Part der Verhandlungen in den Händen von 40 Ministern, die verschiedene Staatengruppen und Weltregionen repräsentieren. Sie haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die den gordischen Knoten durchschlagen soll. Auch Gabriel ist dabei. Er will gemeinsam mit den anderen europäischen Umweltministern verhindern, dass am Ende der Verhandlungen statt konkreter Zahlen nur eine Vereinbarung auf eine „Road Map“ steht, die den Weg zu einem Beschluss Ende 2009 aufzeigt.
Schon basteln die Europäer an einem Drohszenario, das die Amerikaner in die Isolation treiben soll: Wenn die Amerikaner sich nicht auf konkrete Werte einlassen wollen, dann könnte man den Prozess boykottieren, den die USA unter dem Titel „Major Emitters Meeting“ angestoßen hatten. Ende September hatten sie die 15 Nationen mit den größten Treibhausgasemissionen erstmals zu einem Treffen eingeladen. Kritiker sahen darin den Versuch der Amerikaner, einen Ersatz für den Kyoto-Prozess zu schaffen.
Und am Ende müssen die Regierungschefs ihren auf Bali tagenden Umweltministern zur Hilfe eilen. Dem Vernehmen nach will der britische Premier Gordon Brown seinen japanischen Amtskollegen ins Gebet nehmen. Denn auch die Japaner gehören zu den Wackelkandidaten. Gabriel hat mit Angela Merkel vereinbart, dass die Kanzlerin ihm hilft, sollte es eng werden. Sie will bei Bedarf mit verschiedenen Staatschefs telefonieren – womöglich auch mit George W. Bush.
