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31.05.2007 
Minergiehaus-Standard

Holz und Hanf statt Heizung

von Susanne Bergius

Holz aus Österreich, Hanf aus Osteuropa, deutscher Schiefer, Schweizer Präzisionsarbeit und einige chinesische Bauregeln – mit dieser Mischung hat die Schweizer Architektin Monika Mutti-Schaltegger ein unkonventionelles ökologischen Gebäude gebaut.

BERLIN. Das achteckiges Wohn- und Bürohaus der schweizer Architektin Monika Mutti-Schaltegger im Kanton St. Gallen benötige weniger Heizenergie, als es der Minergiehaus-Standard fordere, bestätigt die auf Gebäudetechnik und -isolation spezialisierte Bauingenieurgesellschaft Kicon AG im Schweizer Ort Weinfelden.

Der Minergiehaus-Standard gibt die Anforderungen für Niedrigenergiehäuser in der Schweiz vor. Das Geheimnis des niedrigen Energieverbrauchs verbirgt sich in der Wärmespeicherung: Eine 18 Zentimeter (cm) dicke Hanfdämmung ergänzt 17 cm starke massive Wände aus im Winter geschlagenem und somit besonders stabilem so genannten Mondholz. Diese Wände halten die von Menschen, Lampen und Elektrogeräten abgestrahlte Wärme fest. Ein Hohlraum von sechs cm zwischen Holzwand und Innenbeplankung lässt die Luft zirkulieren. „Dadurch verteilt sich die Wärme gut, so dass es auch nahe der Außenwand nicht kühl ist. Somit sinkt der gesamte Wärmebedarf“, erklärt Architektin Mutti-Schaltegger nach einem Jahr Praxistest. Die Raumtemperatur reagiert nur träge auf schwankende Außentemperaturen. „Wird es draußen ein Grad kühler, dauert es 15 Stunden, bis das nach innen dringt“, stellt Bautechnik-Experte Noah Widmer von Kicon fest.

Nur bei großer Kälte wird zusätzlich geheizt. Seitlich an den Fenstern angebrachte Heizstäbe bilden vor den Fenstern ein warmes Luftpolster, damit die Räume nicht auskühlen. Ein Raumthermostat schaltet die Stäbe ab, sobald andere Quellen, etwa die Räume betretende Menschen, Wärme abgeben. „Für die Zusatzbeheizung von 380 Quadratmetern genügt auch an eisigen Tagen die Energie von zwei Haarföhnen“, verspricht Mutti-Schaltegger.

Den Minergie-Anforderungen entspricht das Haus allerdings nicht. Zwar beträgt die Anschlussleistung der Heizung nur 1,6 Kilowatt (KW) statt der erlaubten 4,5 KW einer Erdwärmepumpe. Doch der Minergiehaus-Standard erlaubt nur erneuerbare Heizenergie. Auch Mutti-Schalteggers Lüftungssystem passt nicht in die Norm. Es arbeitet ohne Strom. Spezielle Dachbleche leiten den Wind so, dass er einen Unterdruck erzeugt, der Abluft durch einen Kamin nach außen saugt. Über Spalten in den Fensterrahmen strömt frische Luft von außen nach und gleicht den Unterdruck aus.

Minergie- und Passivhausstandard sehen aber eine kontrollierte Lüftung mit Rohrsystemen für Frisch- und Abluft und das Heizen mittels Wärmerückgewinnung vor. „Der Aufwand ist unverhältnismäßig und vernachlässigt die Energie zum Unterhalt und zur Herstellung der Systeme“, kritisiert Mutti-Schaltegger die Normen. Passivhaus-Verfechter Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus-Instituts, hält ihr entgegen, dass der Wärmeverlust auf Grund des Lüftungssystems nur durch eine Leistung der Zusatzheizungen von mindestens 25 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter Wohnfläche auszugleichen ist. „Das ist mehr als der für ein Passivhaus erlaubte Heizwärmebedarf von 15 kWh“, stellt er fest. Bauphysiker Widmers Gegenrechnung ergibt nur einen Bedarf von 14,8 kWh Zusatzheizwärme. Dabei kommt Hausherrin Mutti-Schaltegger zugute, dass sie die Abwärme eines mit Gas befeuerten Keramikbrennofens nutzt, der – ein weiterer Nebeneffekt – auch für warmes Wasser sorgt.

Beim Bau des Hauses wurden statt Schrauben Holzdübel verwendet, statt Leim normaler Quark und Honig. Die Außenhaut besteht aus Schiefer, angebracht mit einem neuartigen Außenwandsystem des in Deutschland zu den Marktführern gehörenden Anbieters Rathscheck Schiefer in Mayen in der Eifel.

Die Innovationen haben ihren Preis: Knapp 1440 Euro pro Quadratmeter Fläche kostet das Haus. „Das ist vergleichbar mit dem Preis eines frei stehenden Wohnhauses gehobener Qualität“, relativiert Dirk Ackermann von Rathscheck Schiefer . „Die ökologische Bauweise ist etwa zehn Prozent teurer als die konventionelle. Dafür sind die Nebenkosten nur halb so hoch“, verspricht Mutti-Schaltegger. Die Stromkosten ihres Wohn- und Arbeitshauses betrugen ihr zufolge im ersten Jahr trotz strengen Winters nur umgerechnet 300 Euro für die Zusatzbeheizung statt nötiger 1300 Euro Heizkosten für vergleichbare Häuser. Ähnliches gilt für Passivhäuser. „Sie sind durchschnittlich acht Prozent teurer, mit sehr starker Streuung je nach Technik und Materialien“, erläutert Feist. Jedoch nehmen die Zusatzkosten zusehends ab, weil neue Elemente wie Dreifachverglasungen inzwischen standardisiert sind und die Stückzahlen steigen.“

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