Beschichtete Bleche ziehen in die Medizintechnik ein. Ihr Potenzial ist enorm, die Hersteller haben große Fortschritte gemacht. Klinik-Möbel und keimfreie Oberflächen sollen für Wachstum sorgen. Doch mit Edelstahl haben die Super-Bleche besonders im OP-Bereich einen starken Wettbewerber.
BREMEN. Bakterien haben auf Blech keine Chance. Zumindest sobald dieses Blech mit Titandioxid beschichtet ist, und die Sonne drauf scheint. Fallen UV-Strahlen auf das Titandioxid, lassen dessen Elementarteilchen den angrenzenden Sauerstoff mit Bakterien reagieren. Für die Krankheitskeime bedeutet das den sicheren Tod.
Das Potenzial derart beschichteter Bleche ist enorm: Sind sie auf Fliesen angebracht, brauchen Reinigungsfirmen kaum noch chemische Putzmittel. Andreas Mucha, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Forschungsgesellschaft Dünne Schichten (EFDS), hält die Titandioxid-Beschichtung für aussichtsreich. Sie könnte in den kommenden Jahren für dynamische Wachstumsraten in der Blech-Industrie sorgen.
Bei der Beschichtung von Blech haben Unternehmen in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Die Entwickler haben dem Material völlig neue Eigenschaften verliehen: So hat der Werkstoff mittlerweile in der Medizintechnik Einzug gehalten und wird dort immer stärker nachgefragt. Wo beispielsweise im OP früher gekachelte Wände glänzten, können heute keimfreie Blechwände für ein optimales Klima sorgen.
„Vom OP-Bereich bis zu den Oberflächen von Betten oder Schränken werden antibakterielle Beschichtungen in der Medizin immer wichtiger“, erklärt Mucha. „Denn die Menschen werden anfälliger für Allergien, und das Infektionsrisiko steigt weiter.“ Die Forschung sei in diesem Bereich bereits weit vorangeschritten. Derzeit versuchen Entwickler, die Lösungen günstiger zu machen und an die Bedürfnisse der Industrie anzupassen. „Blech zu beschichten ist eine sehr aufwendige Angelegenheit“, erklärt Andreas Mucha, der auch Geschäftsführer der Dresdner MAT Plasma Tec GmbH ist, die sich auf Oberflächentechniken für die Medizintechnik, Pharma- und Lebensmittelindustrie spezialisiert hat. „Die Bleche können nicht großflächig vor dem Bearbeiten des Werkstoffs beschichtet werden, sondern erst nach dem Biegen und Schweißen. Mit einem hoch spezialisierten Verfahren.“
Noch steckt der Einsatz von spezial-beschichtetem, antibakteriellem Blech im OP-Bereich in seinen Anfängen. Doch andernorts wird er in den Krankenhäusern bereits seit den neunziger Jahren angewendet und spielt dort eine wichtige Rolle als Werkstoff. So gibt es beispielsweise Filtersysteme, in denen Luft an Blechoberflächen mit Titandioxid-Beschichtung vorbeigeführt wird, um die Luft keimfrei zu halten. In den meisten Fällen werden die Bleche jedoch als Gehäuse medizintechnischer Geräte eingesetzt.
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