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06.02.2008 
Selbstständigkeit

Auf den Gründungsboom folgt die Gründungsbaisse

von Rainer Nahrendorf

Immer weniger Bürger wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die gute Konjunktur und die Änderung der Existenzgründungsförderung von Arbeitslosen haben dem Gründungsboom der Jahre 2004 und 2005 ein Ende bereitet. So sind die Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit für die Existenzgründungsförderung stark gesunken.

BERLIN. Der Druck zu Gründungen aus der Not hat nachgelassen, die besseren Jobchancen auf dem Arbeitsmarkt und die verbreitete Angst vor dem Scheitern lassen wieder viele Deutsche vor dem Schritt in die Selbständigkeit zurückschrecken. Einer Umfrage zufolge würde jeder zweite Deutsche im Alter von 18 bis 64 Jahren aus Angst vor dem Scheitern eine Unternehmensgründung unterlassen. Zum Vergleich: In den USA ist es nur jeder fünfte.

Marc Evers, Gründungsexperte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sieht als Hauptgründe für den Rückgang des Existenzgründerzahlen gleichermaßen die bessere Arbeitsmarktsituation und die Änderung der Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit. DIHK -Präsident Ludwig Georg Braun fordert einen Mentalitätswandel in Deutschland. Er verweist auf die Chancen, die sich gerade im Aufschwung für findige Köpfe bieten. Aber der Mentalitätswandel lässt auf sich warten, die Risikoangst sitzt bei vielen Bürgern tief. Das zeigen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts. Von Januar bis Oktober 2007 wurden rund 137 000 Betriebe gegründet, deren Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen - das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Mehr als 3,2 Mrd. Euro hat die Bundesagentur für Arbeit 2005 für Arbeitslose ausgegeben, die sich mit der Gründung einer "Ich-AG" oder mit Hilfe des Überbrückungsgeldes selbstständig machten. Fast 316 600 Arbeitslose nutzten im Jahresdurchschnitt 2005 die Förderung für eine Existenzgründung. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 196 852, darunter 122 100 Arbeitslose, die noch die auslaufende Ich-AG-Förderung erhielten und 91 300, die den neuen Gründungszuschuss bezogen. Insgesamt wandte die Bundesagentur für die Gründungsförderung 2007 noch 1,8 Mrd. Euro auf, für 2008 sind Ausgaben von 1,78 Mrd. Euro geplant. Mit 1,56 Mrd. Euro entfällt davon der Löwenanteil auf den neuen Gründungszuschuss.

Der Gründungszuschuss hat zum 1. August 2006 den früheren Existenzgründungszuschuss, das heißt die Ich-AG-Förderung, und das Überbrückungsgeld ersetzt. Der neue Zuschuss knüpft an die strengeren Voraussetzungen der Gründungsförderung in Form des Überbrückungsgeldes an. Er wird für neun Monate in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes gezahlt. Hinzu kommen monatlich 300 Euro für die soziale Absicherung. Die Agentur für Arbeit kann die 300 Euro für die soziale Absicherung für sechs weitere Monate bewilligen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Gründungen im Haupterwerb werden gefördert.

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