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27.04.2008 
Gesundheitswesen

Blaumänner reißen sich um neue Aufträge von Krankenhäusern

von Carmen Salvenmoser

Der Kostendruck zwingt Krankenhäuser, wirtschaftlicher zu arbeiten: Eine Chance für Gebäudemanager, in einen neuen Markt vorzustoßen. Doch dazu ist spezielles Know-How nötig, die Dienstleister brauchen mehr Fachleute.

KÖLN. Als die Famis GmbH, ein Facility-Management-Dienstleister aus Saarbrücken, vor über zehn Jahren ins Krankenhausgeschäft einsteigen wollte, stieß sie auf ein Hindernis: „Unser Wissen reichte nicht aus, denn die Krankenhäuser erwarteten neben den üblichen Dienstleistungen zusätzlich medizintechnisches Know-How von uns“, sagt Rainer Vollmer, Geschäftsführer von Hospitec, der Famis-Tochtergesellschaft für das Gesundheitswesen. Mit der Gründung von Hospitec verpasste man sich damals nicht nur den passenden Namen für die neue Sparte, sondern holte auch Fachpersonal an Bord: „Bei uns arbeiten Ingenieure, die Krankenhausbetriebstechnik studiert haben“, sagt Vollmer. „Mittlerweile sind wir dadurch in der Lage, sogar einen kompletten OP-Saal medizintechnisch zu planen.“

Hospitec ist längst nicht der einzige Facility-Management-Dienstleister, der Gesundheitsbetriebe als Kunden ins Visier nimmt. Auch andere Gebäudemanager wagen den Sprung in das Spezialgebiet. Die Auftragschancen stehen gut: „Der Kostendruck zwingt Krankenhäuser dazu, wirtschaftlicher zu arbeiten und deshalb Aufgaben auszulagern“, sagt Sigrid Odin, Sprecherin des Arbeitskreises Krankenhaus im Branchenverband German Facility Management Association (GEFMA).

Horst Gudat, auf Facility Management spezialisierter Berater, formuliert es konkreter: „Der Grund für das Outsourcing von Sekundärprozessen ist für viele Kliniken, dass sie eigenes Personal los werden möchten.“ Kosten würden dann zu Preisen, und die könne man mit einem Dienstleister schließlich verhandeln. Der Nachteil ist allerdings ein erhöhter Kontrollaufwand: „In Krankenhäusern hat man natürlich weit höhere Hygieneanforderungen als in einem Bürogebäude“, sagt Gudat. „Die meisten Klinken führen deshalb gemeinsam mit dem FM-Dienstleister ein Qualitätsmanagement ein.“

Eine andere Besonderheit: Erlöse von Krankenhäusern sind nicht umsatzsteuerpflichtig, demzufolge kann bei Aufträgen an Fremdfirmen auch keine Vorsteuer abgesetzt werden. „Um die Problematik zu umgehen, wählen viele Kliniken ein Organschaftsmodell“, weiß Sigrid Odin von der GEFMA. Dienstleister und Krankenhaus gründen gemeinsam eine Betriebsgesellschaft, die aber mit 51 Prozent bei der Klinik verbleibt. „So wird die Auslagerung betriebswirtschaftlich vernünftig“, sagt Odin.

Bei der Wahl des Dienstleisters entscheidet laut der Expertin oft nur der Preis: „Die Krankenhäuser merken im Nachhinein dann relativ schnell, dass auch die Leistungsqualität sinkt, wenn sie den Preis drücken.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Von der technischen Abteilung zum erfolgreichen Unternehmen.

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