UnternehmenAktuell
WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
HANDELSBLATT, Donnerstag, 31. Januar 2008, 12:50 Uhr
Insolvenzen

Hintergrund: Kein Ende in Sicht beim Falk-Prozess - Antragsflut

 Mehr zum Thema: Weitere Betrugsfälle
Artikel

Alexander Falk zu Haftstrafe verurteilt (09.05. 10:15)

Artikel

Falk-Prozess: Verteidigung fordert Freispruch (21.04. 15:07)

Artikel

Falk-Prozess ohne Plädoyer vertagt (14.04. 16:35)

Zum Special ...


dpa-afx HAMBURG. Am 147. Prozesstag flüchtete sich Richter Nikolaus Berger in den Galgenhumor. "Beschleunigungsgebot ­ man traut sich ja kaum noch, nach drei Jahren und eineinhalb Monaten das Wort in den Mund zu nehmen", sagte er. Seit Anfang Dezember 2004 verhandelt die Wirtschaftsstrafkammer des Hamburger Landgerichts unter Bergers Vorsitz gegen den früheren Internetunternehmer Alexander Falk und Ex-Manager seiner Firmen. Der Hauptvorwurf der Anklage: Betrug. Das Gericht sieht sein Beweisprogramm lange abgearbeitet. Doch eine neue Flut von Anträgen der Falk-Verteidiger verhindert bisher, dass der Staatsanwalt mit seinem Plädoyer beginnen kann. Ob er das am kommenden Montag, dem 148. Prozesstag, schaffen wird, ist fraglich.

Die Prozessmaterie im größten Wirtschaftsverfahren der Hamburger Geschichte ist in der Tat kompliziert. Der 38-jährige Falk und vier ehemalige Mitstreiter sollen den Wert der Internetfirma Ision durch Scheingeschäfte in die Höhe getrieben und somit bei deren Verkauf an die britische Energis im Jahr 2000 einen überzogenen Preis kassiert haben. Die Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden auf mindestens 46,7 Mill. Euro. Doch selbst das Gericht glaubt inzwischen, dass ein Schaden nicht mit Sicherheit festzustellen ist. Verdächtig hält sie Falk daher nur noch des versuchten Betrugs.

Die Verteidiger des einstigen Börsenlieblings aber sehen noch nicht einmal einen Versuch des Betrugs ­ und kämpfen für einen Freispruch. "Wir werden weitere Anträge stellen. Wir sind der Meinung, dass manche Dinge noch nicht aufgeklärt sind", sagt Anwalt Thomas Bliwier. Auch mit Blick "auf die mit Sicherheit stattfindende Revision" müssten alle Hausaufgaben erledigt und auch weitere Zeugen vernommen werden.

An vielen Verhandlungstagen hat Bliwier allein an der Seite seines Mandanten gesessen. Mittlerweile hat Falk wieder drei Verteidiger um sich. Im Trommelfeuer ihrer Anträge scheinen sie selbst bisweilen den Überblick zu verlieren. Als einer aus dem Trio einen Beweisantrag vorträgt, der Falks Unschuld im Anklagepunkt der Steuerhinterziehung belegen soll, unterbricht ihn Richter Berger. Das Verfahren in diesem Fall habe das Gericht schon eingestellt, klärt der Kammervorsitzende den jungen Anwalt auf.

Mit der Antragsflut, die den Prozessabschluss verzögert, stoßen Falks Verteidiger auch bei den Anwälten der übrigen vier Angeklagten kaum auf Gegenliebe. "Wir müssen hier mal zu einem Ende kommen", fordert einer aus ihren Reihen am 147. Verhandlungstag. Auf dem Gerichtsflur machen die Mitangeklagten und ihre Rechtsvertreter ihrem Unmut noch deutlicher Luft.

Die Staatsanwaltschaft hat die Linie von Falks Anwälten bisher nur zurückhaltend kritisiert. Es könnte zumindest der Anschein erweckt worden sein, "dass es der Verteidigung Falk darum geht, das Verfahren möglichst in die Länge zu ziehen", meint ein Vertreter der Anklage. Den Vorwurf der "Prozessverschleppung", auf dessen Grundlage ein Gericht ­ allerdings nach sehr strengen Kriterien - Anträge der Verteidigung ablehnen könnte, hat noch keiner der Prozessbeteiligten in den Mund genommen.

So dürfte die Pressestelle des Gerichts den Medien noch länger vor jeder Verhandlung den "vorsorglichen Hinweis" geben, dass im Falk- Prozess die Staatsanwaltschaft eigentlich ihr Schlusswort halten könnte - nicht ohne gleichzeitig zu warnen: "Ob es nun zum Plädoyer kommt, hängt allerdings weiterhin von dem Prozessverhalten der Verteidiger ab."


WebNewsDieser Artikel als DruckversionSchlagzeile per E-Mail verschicken
Weitere News und Tools
Weitere News sowie Tools zu dieser Rubrik finden Sie hier

MEHR ARTIKEL AUS DER RUBRIK:


Suche im Web:


Seitenanfang


Homepage | Site Map | Hilfe | FAQ | Kontakt | Partnerprogramm | Mediadaten

Abo | Bücher | Veranstaltungen | Webtipps

HANDELSBLATT-TICKER

Alle News     Alle Indizes     RSS

TECHNOLOGIE
ArtikelAutos ernten Abgas-Energie
ArtikelDie Netz-Milliardäre
BildergalerieWasserwüste Sahara
Lesen Sie aktuell auf   
Stiftungen als Statussymbol
Cooles Fast Food
» weitere Meldungen
KÖPFE
10.05. 08:45 Der Schuh-Macher
Willy Steffen Iser ist ein erfolgreicher Headhunter – bis zu dem Tag, als seine Tochter ihre ersten Schuhe braucht. Er fühlt sich schlecht beraten und gründet eine eigene Firma für passgenaue Kinderschuhe. 2007 hat seine Firma Cangorino 10 000 Paar Schuhe verkauft. Dieses Jahr sollen es noch mehr werden.
09.05. 18:12 Neuer Chef für Bahn-Gewerkschaft Transnet
Nachfolger des zurückgetretenen Transnet-Chefs Norbert Hansen wird sein bisheriger Stellvertreter Lothar Krauß. Das fünfköpfige Spitzengremium der Bahngewerkschaft nominierte den 52-Jährigen am Freitag auf einer Sondersitzung in Frankfurt am Main. Mit seiner Meinung zur Privatisierung des Konzerns hält er nicht hinter dem Berg.
09.05. 11:03 Heinz Schimmelbusch kehrt zurück
Sein Abschied war spektakulär, seine Rückkehr erfolgt fast unbemerkt. Als Heinz Schimmelbusch (63) vor 15 Jahren fluchtartig die Bundesrepublik verließ, blieben 1,6 Milliarden Euro Schulden zurück, das pleitebedrohte Paradeunternehmen Metallgesellschaft (MG) und eine düpierte Deutsche Bank als Großaktionär. Nun steht der Österreicher wieder an der Spitze einer deutschen AG.
ArtikelViel Lob für den Gejagten  (09.05)
ArtikelTransnet-Chef Hansen will in den Bahn-Vorstand  (08.05)
ArtikelYahoo lässt den Mann fürs Grobe ran  (08.05)
BILDERGALERIEN
Bildergalerie  Einmal Sterne und zurück
Von einer „Hochzeit im Himmel“ spricht Jürgen Schrempp, als er vor zehn Jahren, am 7. Mai 1998, die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler zur „Welt AG“ verkündet. „Wir können es jetzt mit jedem aufnehmen.“ Heute ist die Unternehmensehe längst geschieden. Einmal Sterne und zurück – die wichtigsten Meilensteine der Verbindung. Und: Wie Daimler und Chrysler heute dastehen.

Tino Andresen und Carsten Herz
Bildergalerie  Showdown im Machtkampf bei Tui
Die heutige Hauptversammlung des Touristikkonzerns verspricht turbulent zu werden: Großaktionär John Fredriksen will den Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow abwählen lassen. Tui-Chef Michael Frenzel könnte das mit Hilfe seiner Unterstützer verhindern. Doch auch Frederiksen steht nicht alleine da. Wie die Fronten verlaufen und wer die wichtigsten Akteure sind.

Von Sönke Iwersen und Eberhard Krummheuer
Bildergalerie  Die wertvollsten Banken Europas
Die Finanzkrise wirkt sich massiv auf die Börsenwerte der europäischen Großbanken aus. Auch Rezessionsängste und enttäuschende Quartalszahlen verschrecken die Anleger. Das wirbelt die Rangfolge der Kreditinstitute durcheinander. Die Top ten der wertvollsten Banken Europas und wo die deutschen Institute stehen.

Bildergalerie  Die spektakulärsten Banken-Schieflagen seit 1974
Die deutsche Bankenszene hat schon so manchen Tiefschlag wegstecken müssen: Immer wieder gab es spektakuläre Pleite und bemerkenswerte Schieflagen von Instituten, die für Schlagzeilen sorgten. Ein Überblick über einige der spektakulärsten Fälle seit 1974.

Bildergalerie  28 Milliarden für die Anleger
Mit 28 Milliarden Euro schütten die Dax-Konzerne in diesem Jahr so viel Geld aus wie noch nie. Trotzdem gibt es auf den Hauptversammlungen Anlass, kritisch nachzuhaken – denn ob die Unternehmen auch im nächsten Jahr noch auf Rekordniveau verteilen, ist fraglich. Welche Konzerne die höchste Dividendenrendite aufweisen – und welche Fragen die Aktionäre welchem Unternehmen unbedingt stellen sollten.

Bildergalerie  Was Dax-Konzerne ihren Aufsehern zahlen
Die wachsende Professionalisierung deutscher Aufsichtsräte zahlt sich für die Mitglieder der Kontrollgremien in barer Münze aus. Die 30 Dax-Firmen ließen sich ihre Chefaufseher im vergangenen Jahr durchschnittlich 15 Prozent mehr kosten als im Vorjahr. Doch die Bezüge unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen enorm – ein Ranking.

Business-Wissen
Die neuesten Managementbücher, Fallstudien und Forschungsergebnisse von der Handelsblatt-Redaktion für Sie ausgewählt und auf den Punkt gebracht.
Dax-30-Klickspiel
AUSSENWIRTSCHAFT
ArtikelMerkel lenkt den Blick auf Lateinamerika
ArtikelEnergiemarkt lockt Investoren
ArtikelDas Kreuz mit der Inflation
BUSINESS-MONITOR
ExklusivmeldungTop-Manager fordern Vereinfachung des Steuersystems
ArtikelGroße Trends, große Chancen
ExklusivmeldungUnternehmen rüsten sich gegen Währungsrisiken
MARKTINFORMATIONEN
 DAX 7.003,17 -0,97%
 L-Dax 6.988,41 -1,25%
 TecDAX 835,29 -1,32%
 L-TecDAX 834,30 -1,51%
 Dow 12.745,88 -0,94%
 Nasdaq 1.960,29 -0,33%
 Nikkei 225 13.655,34 -2,06%
 DJGTitans 192,21 -1,17%
 Euro(USD) 1,5480 +0,51%
 Euro-Bund 115,14 +0,53%
 Gold NY 876,00 -0,11%
 Rohöl ($/B) 124,52 +2,22%
DAX 30 TOPS+FLOPS
 E.ON 126,700 +0,88%
 Dt. Telekom 11,79 +0,34%
 Fresenius 34,60 +0,29%
 Dt. Börse 98,25 -3,77%
 BMW 36,20 -4,11%
 Linde 91,97 -4,84%
MARKTBERICHTE
ArtikelUS-Börsen zwischen guten Abschlüssen und teurem Öl  (10.05)
ArtikelWall Street schließt im Minus  (09.05)
ArtikelDax schließt mit über 7 000 Punkten  (09.05)

Handelsblatt.com
VideoAudioMobilJobsNewsletterForumWeblogShopArchiv / wirtschaftspresse.bizAbo / Leserservice
Geschäftsführer-Quiz

Bei Fehlern drohen Geschäftsführern Haftungsfolgen. Testen Sie Ihr Wissen.
Wasserwüste Sahara

Wie die Sahara von der grünen Lunge Afrikas zur Wüste wurde.
Öl-Fakten

Hintergrund: Das Wichtigste, was man aktuell über Erdöl wissen sollte.
VorschauVorschau

Alle wichtigen Termine für die Wirtschaft im Überblick