Die US-Hypothekenkrise hat die IKB
in eine schwere Schieflage gebracht. Wie riskant die Spekulationen mit minderwertigen Immobilienkrediten sind, hätte die Mittelstandsbank jedoch viel früher wissen müssen. Immerhin lag eine entsprechende Studie aus dem eigenen Haus, die das Management über die Risiken im US-Hypothekenmarkt informierte, bereits seit Jahren in der Schublade. Der Titel ist dabei sehr bezeichnend.
HB FRANKFURT. In einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden IKB
-internen Studie mit dem Namen "California dreamin'´" aus dem Jahr 2005 riet ein eigener Analyst der Bank zu vorsichtigeren Investments. Der Autor des 40-seitigen Berichts warnte vor einem Abwärtstrend am US-Immobilienmarkt, was sich wiederum negativ auf bestimmte Anlagen der IKB
auswirken könnte.
Die Studie beschäftigt sich vor allem mit der Preisblase am Wohnimmobilienmarkt. Es sei unwahrscheinlich, dass die Preise für Eigenheime in den USA weiter stiegen, hieß es damals. "Eine Kehrtwende am Immobilienmarkt wird erwartet." Deshalb müsse mehr auf die Risiken geachtet werden, in die investiert werde. Die verbrieften Forderungen müssten mit mehr Eigenkapital hinterlegt werden. "Eine Verschlechterung am Immobilienmarkt wird zu einem signifikanten Anstieg der Kreditausfälle führen", hieß es in der Studie.
Bild für Bild: Wie es zur Subprime-Krise kam
Die Düsseldorfer Bank ist Ende Juli wegen ihres Engagements im US-Hypothekenmarkt an den Rand des Zusammenbruchs geraten. Sie ist über zwei Fonds direkt und indirekt mit insgesamt mehr als 17 Mrd. Euro in dem Markt investiert. In einer groß angelegten Rettungsaktion musste die Kreditwirtschaft der IKB
mit Liquiditätszusagen von 8,1 Mrd. Euro unter die Arme greifen. Den Großteil davon trägt die staatseigene Förderbank KfW, die mit 38 Prozent ihr Hauptaktionär ist. Auslöser der Turbulenzen am US-Immobilienmarkt waren fallende Preise für Eigenheime und gleichzeitig zunehmende Kreditausfälle wegen steigender Zinsen. Rund um den Globus häufen sich Schieflagen von Banken und Baufinanzierern.
Die IKB
verweist darauf, dass ihr Management nach der Studie einen anderen Kurs eingeschlagen habe. "Es wurden erhebliche Konsequenzen daraus gezogen", sagte ein Sprecher. Der Fokus im Neugeschäft sei danach verstärkt auf Papiere gelegt worden, die von Ratingagenturen mit der Bestnote "AAA" ausgezeichnet wurden. Statt rund 50 Prozent habe die IKB
rund 70 Prozent in "AAA"-Anlagen investiert.
Die Aussagekraft von Noten der Ratingagenturen wird in der Krise immer mehr in Zweifel gezogen. Selbst AAA-geratete Papiere schützten nicht vor substanziellen Wertberichtigungen, sagte Simon Adamson, Kreditanalyst bei CreditSights.
Der von der IKB
verwaltete Fonds Rhineland Funding hatte das Anlagevolumen binnen zwei Jahren verdoppelt. Von März 2005 - kurz vor Erscheinen der Studie - bis März 2007 erhöhte sich der Wert des Fonds um gut sechs Mrd. auf 12,7 Mrd. Euro, wie aus den jeweiligen Geschäftsberichten der Bank hervorgeht.

