Die internationale Finanzkrise hat bisher kaum direkte Auswirkungen in Spanien gezeigt, doch zum Aufatmen gibt es wenig Grund. Denn die indirekte Wirkung der steigenden Zinsen dürften die hoch verschuldeten Spanier sehr viel stärker spüren als andere.
MADRID. Bleibt der Euribor als entscheidender Zinssatz für Termingelder im Interbankenhandel über die nächsten Monate hoch, so fürchten Experten, dann könnte der hohe Anteil an variabel verzinsten Hypothekenkrediten in Spanien eine Bombe darstellen.
Die von dem US-Hypothekenmarkt ausgehenden Krisenwellen hätten "keinen signifikanten oder wichtigen Effekt" auf die spanische Wirtschaft, die weiterhin ein "sehr gutes Bild" abgebe, so versicherte unlängst Spaniens Ministerpräsident Rodríguez Zapatero. Kurzfristig hat er damit wohl Recht. Spanische Finanzinstitutionen haben nach bisherigen Informationen der Zentralbank und der Börsenaufsicht nur in unbedeutendem Ausmaß in die Kreditverbriefungen und-derivate im Zusammenhang mit dem US-Hypothekenmarkt investiert, welche etwa die deutsche IKB zum Taumeln brachten.
Auch gibt es in Spaniens Immobilienmarkt nach Auskunft der Aufsichtsbehörden praktisch keinen Subprime-Sektor wie in den USA. Nur knapp 1,3 Prozent des gesamten spanischen Hypothekenvolumens wurde etwa an Kreditnehmer vergeben, die irgendwann einmal ihren Kreditverpflichtungen nicht nachgekommen sind. Die Ausfallraten spanischer Banken bei Hypothekenkrediten sind im europäischen Vergleich bisher äußerst niedrig, wenn auch stetig steigend. Nach Auskunft der spanischen Zentralbank gelten nur 12,5 Mrd. Euro beziehungsweise 0,75 Prozent des gesamten an den privaten Sektor vergebenen Kreditvolumens als zweifelhaft.
Doch mittelfristig könnte der wegen knapper Liquidität stetig steigende Euribor, der als Referenzzins für die Hypothekenkredite dient, das spanische Finanzsystem und die gesamte Wirtschaft in arge Bedrängnis bringen. Denn von dem gesamten Hypothekenkreditvolumen in Spanien in Höhe von rund einer Billion Euro sind 90 Prozent variabel verzinst.
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