| HANDELSBLATT, Freitag, 10. August 2007, 11:36 Uhr | ||||||||||||||||||||||||
Ausschreibung wahrscheinlich Mitte 2008 | ||||||||||||||||||||||||
Schnellzug Rio de Janeiro-São Paulo soll kommen | ||||||||||||||||||||||||
Von Alexander Hirschle, bfai | ||||||||||||||||||||||||
Mit dem Bau einer Schnellzugverbindung zwischen den brasilianischen Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro ist ein lang ersehnter Traum brasilianischer Verkehrsplaner wieder in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt. Das Projekt soll bis zu 10 Mrd. US-Dollar kosten. Erste Studien wurden bereits angefertigt, einige Konsortien haben ihr Interesse angemeldet. Darunter befinden sich auch ausländische Unternehmen. | ||||||||||||||||||||||||
SAO PAULO. Im Zuge des seit Monaten anhaltenden Chaos auf den brasilianischen Flughäfen und dem jüngsten Flugzeugabsturz auf dem Stadtflughafen Congonhas von São Paulo dürfte ein Projekt wieder stärker in den Fokus rücken, das schon länger in den Schubladen der Regierung in Brasilia schlummert: der Bau eines Schnellzugs zwischen den beiden größten Metropolen des Landes, Rio de Janeiro und São Paulo. Durch die jüngsten Vorkommnisse könnte der politische Wille zur Realisierung dieses Megaprojekts gestärkt worden sein - und dieser ist nach Einschätzung von Beobachtern entscheidend für die tatsächliche Umsetzung der Zugverbindung. In der Vergangenheit haben bereits mehrere Konsortien Machbarkeitsstudien über das Projekt angefertigt. Diese gingen jedoch von unterschiedlichen Voraussetzungen und Nachfrageentwicklungen wie zum Beispiel den erwarteten Fahrgästen aus. So legte das Konsortium TAV Siemens mit den Firmen Interglobal, Odebrecht und Siemens bei seiner Untersuchung ein PPP-Modell (Public-Private-Partnership) zugrunde, während TAV Italplan eine zu 100% privat finanzierte Option aufzeigte. Alle Studien kommen jedoch zum gleichen Ergebnis: Der Zugverkehr zwischen Zuckerhut und der Industriemetropole könnte durchaus rentabel sein.
Mittlerweile hat die staatliche Entwicklungsbank BNDES (Banco Nacional de Desenvolvimento Ecônomico e Social) den Ball aufgenommen und unterzieht den in Brasilien "Trem-Bala" genannten Schnellzug einer Analyse. Die BNDES-Prüfung soll definieren, in welcher Form das Vorhaben durchgeführt wird. Dabei geht es in erster Linie um die Alternativen Privatsektor oder PPP - und wenn PPP, in welcher Form sich der Staat einbringen will. Der Projektwert dürfte sich insgesamt zwischen 8 Mrd. bis 10 Mrd. US-Dollar bewegen. Er hängt unter anderem davon ab, ob Haltepunkte auch in den Städten Resende im Bundesstaat Rio de Janeiro oder in São José dos Campos bei São Paulo mit in die Strecke integriert werden sollen. Dies würde auch die Fahrzeit beeinflussen, die bei den bisher eingegangenen Vorschlägen auf anderthalb bis zwei Stunden taxiert wird. Andere Fragen müssen ebenso geklärt werden, wie der zuletzt aufgekommene Vorschlag, die circa 100 km von São Paulo entfernte Stadt Campinas mit in den Streckenverlauf einzubinden. Das Vorhaben befindet sich allerdings noch in einem sehr frühen Stadium, wie der Direktor der Transportsparte von Siemens Brasilien, Nelson Branco Marchetti, im bfai-Interview unterstrich. Auf der anderen Seite spreche die Tatsache, dass die BNDES sich der Sache mittlerweile angenommen habe, für die Ernsthaftigkeit der Bemühungen um ein Vorankommen des Projekts. Allerdings sei noch nicht klar, bis wann die BNDES-Studie abgeschlossen sei und man müsse wohl mit einer Gesamtlaufzeit von ungefähr zehn Jahren rechnen, bis die Zugverbindung letztlich voll funktionsfähig sei. Andere Quellen prognostizieren eine Umsetzung innerhalb von nur sieben Jahren. Offiziellen Angaben zufolge soll die Ausschreibung bis Oktober 2007 erfolgen und der Sieger im Februar 2008 gekürt werden. Nach Einschätzung von Marchetti ist mit der Ausschreibung allerdings realistischerweise bis Mitte 2008 zu rechnen. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Unternehmensvertreter geben sich Klinke in die Hand | ||||||||||||||||||||||||
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